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Über die neue Umverteilung

Archiv für das Schlagwort “Politik und Wirtschaft”

Der IWF stellt eine blasphemische Frage:


Was wäre wenn man alle Schulden mit einem Federstrich für null und nichtig erklären würde? Was wäre, wenn man den Banken das Privileg, Geld aus dem Nichts zu kreieren, einfach entziehen würde? Indem Banken nur einen Bruchteil des Geldes hinterlegen müssen, schaffen sie Geld. Würde die Zivilisation untergehen?
Diese Debatte war überfällig, nicht zum erstenmal in der Geschichte. Zuletzt (von prominenter Seite, nicht von Bloggern) wurde sie 1936  von Irving Fisher angeregt.
Der Ökonom befand folgendes: Aufgabe des Fiatsystems führt zu
1) der Eliminierung des wichtigsten Faktors in Konjunkturschwankungen
2) der Eliminerung von Bankenstürmen
3) einer dramatischen Reduzierung der öffentlichen Verschuldung
4) einer dramatischen Reduzierung der privaten Verschuldung

Diesmal wird sie im Namen des Internationalen Währungsfonds, unter der Feder von Michael Kumhof und Jaromir Benes geführt.
Hier ein PDF des Artikels. Die Forscher befanden, dass alle 4 Behauptungen  Fishers ihre Berechtigung haben. Dabei haben sie sich zurückhaltend ausgedrückt.

Wie Kommentator des konservativen britischen Blatts The Guardian in seinem Artikel „IMF’s epic plan to conjure away debt and dethrone bankers“ (Der epische Plan des IWF, Schulden wegzubeschwören und Banker vom Thron zu stürzen) es formuliert, sollte man dieser überfälligen Debatte, die einer Religionsdebatte verdächtig ähnlich ist, endlich ihren freien Lauf lassen.

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Erst Afrika, nun auch Europa – der IWF ist bereit


Wie in meinem Artikel „Wenn die Finanzmafia vor unserer Tür steht“ hatte ich bereits dargelegt, dass die Hilfe des IWF eine „Wohltat“ darstellt, auf die man besser verzichten sollte. Insider John Perkins, der sich selbst als ehemaliges Mitglied der „Finanzmafia“ erklärte in seinem Buch  „Confessions of an Economic Hitman“, was „Darlehen“ für ein bankrottes Land wirklich bedeuten. Sie bereichern eine kleine Elite und verarmen die Allgemeinheit, und die Resourcen des Opferlandes, ob sie im Boden liegen oder in Form von billigen Arbeitern, stehen zur Plünderung frei. Irland hatte zugesagt, Island hat alle zum Teufel gejagt.

Nun muss sich Spanien entscheiden, ob sie es wie die Iren tun wollen, oder wie die Isländer. IWF-Chefin Lagarde sagt, der Währungsfond sei bereit, Spanien zu helfen.Sie könne sich vorstellen, die „Strukturreform“ zu überwachen, oder „eine Rolle bei der Finanzierung zu spielen.“ Wirtschaftsblogger Mike Shedlock, dem man weiß Gott nicht als Linken bezeichnen kann, übersetzt die Äußerungen der Retterin mit „IWF bereit, Spanien zu plündern“. Die Karikatur, die seinen Artikel ziert, sagt mehr als tausend Worte. Sie zeigt ein trojanisches Pferd mit der Aufschrift „To Ireland, With Love, Yours Truly, IMF.“

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Die Darlehen kommen den Banken, vorallem den deutschen, französischen und amerikanischen zugute. Anders als die Propaganda es immer hinausposaunt, wird es keinen „Trickle-Down-Effekt geben.“ Es handelt sich um eine spektakuläre Umverteilung, nicht mehr und nicht weniger. Menschen aus den Ländern mit dem unsäglichen Akronym PIIGS werden ihre Mahlzeiten aus dem Müll ziehen, damit einige wenige ihre Boni erhalten können.

Endzeit-Szenario


Weltuntergangsszenrien gibt es zuhauf, insbesondere solche, die mit „Welt“ genaugenommen unsere auf Papiergeld beruhende Zivilisation meinen. Wenn solche Szenarien jedoch von renommierten Hedgefundmanagern  entworfen werden, erhalten sie weit mehr Gehör. So hat Raoul Pals Präsentation „Endgame“ viel Aufmerksamkeit erhalten.

Das Problem sei nicht Schulden an sich, sondern die Tatsache, dass die ca. $70 Billionen Schulden der G10 Länder als Sicherheit (Collateral) für $700 Billionen and Derivaten dienen.  Hier der Artikel aus Zerohedge..

TINA – Alternativlos in Deutschland und Europa


Das Akronym TINA steht für englisch „There Is No Alternative“, auf Rezessionsdeutsch: Kaputtsparen ist alternativlos.Dass „Gürtel enger schnallen“ der einzig vernünfige Weg ist, ist unser Mantra, das uns seit Jahrzehnten tröpfchenweise eingeträufelt wird. Es wird nicht gerne von „Reichen“ gesprochen, sondern lieber verschämt von „Arbeitsplatzbeschaffern“ -Arbeitsplätze wie z.B. Gärtner, Chauffeur oder Straßenkehrer.

Ich selbst wieß, wie schwer es ist, nach Jahrelanger Gehirnwäsche, TINA anzuzweifeln, trotz Empirie. Wer nach einer fundierten, gemäßigten Kritik an TINA sucht, empfehle ich William K. Black, zu lesen. William K. Black ist amerikanischer Anwalt, Universitätsprofessor und Buchautor („The Best Way to Rob a Bank Is to Own One: How Corporate Executives and Politicians Looted the S&L Industry“).Im April 2010 sagte er vor dem amerikanischen Kongress über die Lehman Pleite und die Rolle der sogenannen Lügnerdarlehen („liar loans“) aus.

In seinem Blog heißt es:

„Overall, European nations showed significant budgetary restraints in the decade leading up to the Great Recession.  
Most of the periphery did so – Greece is a special case.  The Cato Institute, for example, praised Iceland and Ireland as models of restraint.  Spain also received praise.  The claim that the periphery was “profligate” through large budgetary deficits in the run up to the crisis reverses the facts.

Austerity during a serious recession is economically insane.  It is a pro-cyclical policy that makes the recession more severe….
Weiter ..

Einen weiteren Blogautor, den ich jedem ans Herz legen möchte, ist „Jesse’s Cafe Americain“.In seinem Artikel über das gleiche Thema Alternativlosigkeit des Kaputtsparens heißt es:

„I will not mince words with this. I see a world on the brink of war, for all the same old reasons.
It will take many forms political and financial, at first civil and then regional. If this does not resolve the situation then the conflict will expand and continue by other means.“

Weiter..

Ich weiß gar nichts über den Autor dieses Blogs, welcher Nationalität, ob Mann oder Frau etc., aber er-sie schafft es, auf einer Seite Intellektuelle Schärfe mit Schönheit zu kombinieren. Deshalb ein kleiner Vorbehalt für diejenigen, die gerade mit leerem Magen surfen: Neben Artikeln und Charts (meist über Gold und Silber) wimmelt es nur so an Bildern von leckeren Mahlzeiten. Gerade beim Anblick seiner „Côte de Boeuf avec des petits pois et oignons au beurre“ treibt es mir das Wasser im Munde zusammen, bei aller Ernsthaftigkeit des Themas.

Der Autor hat mich besonders berührt mit einem Artikel über Sophie Scholl, weil es ein universelles Thema ist, das sich nicht mehr auf Deutschland beschränkt.

Hollande Präsident in Frankreich-Le bêbête show


Zum zweiten Mal ist François Präsident geworden, diesmal Hollande. Ich bin gespannt, ob er ein Gegengewicht zur deutschen Sparwut zugunsten der Banken stellt, oder ob es neuer Wein in alten Schläuchen wird. Es ist eine Tradition, die Deutschland und Frankreich gemeinsam ist, dass Sozialisten-Sozialdemokraten eine Politik wählen, die eigentlich konservativer Natur ist. Märkte, die nicht wirklich frei sind, diktieren unsere Politik, nichts anderes.
Ich erinnere mich an die Zeit Mitterands, als Chirac, damals Bürgermeister von Paris, noch Oppositionsführer war.

Hier eine exzellente Satire aus jener Zeit mit Mitterand als Kermit von den Muppets:

„Le bêbête show“

Politische Debatten in Europa/ Political Debate European Style


Jedes Land hat seine eigene politische Kultur. Seit ich politisch denken kann, habe ich die deutsche und französische Debatte verfolgt, gelegentlich auch die amerikanische auf AFN. Bei weitem hat mir die französische am meisten Vergnügen bereitet. Hier mein Lieblingsausschnitt, zwischen dem Primierminister Fabius (PS) und Oppositionsführer Chirac (Gaullist) im Jahr 1986, präsentiert von „AEQUIVOX.FR“:

Ich möchte die Leser dazu ermuntern, eigene „Perlen“ aus dem bunten Europa zu posten!

PS: Die Webseite AEQUIVOX.FR in französcher Sprache zur Analyse politischer Diskurse kann ich nur empfehlen!

Money, Power & Wall Street


Der öffentlich-rechtliche amerikanische Sender PBS hat eine 4-teilige Serie über die Ursache und Entwicklung der weltweiten Finanzkrise gestartet. Hier der Link zum ca. einstündigen 1. Teil der Serie.

Der  Bericht seziert penibel klein, wie eine Idee, entwickelt von einer Gruppe von Jungbankern, weitergesponnen von gierigen Altbankern und ignoranten Möchtegern-Financiers, zur heutigen Katastrophe führte. Besonders viel Freude für deutsche Zuschauer bereitet der Film  in der 38. Minute, in der beschrieben wird, wie unsere deutschen Landesbanker gierig nach Finanzinstrumenten griffen, deren Implikationen sie nie begriffen haben. Auch Josef Ackermann kommt darin zu Wort. Ich warte noch auf ein Doku deutscher Herkunft, das über das Versagen in Deutschland berichtet.

Ob man denjenigen, die immernoch von „Too Big To Fail“ schwatzen, Gier, Bosheit oder Inkompetenz unterstellt, ist eigentlich egal.  Wichtiger ist: Können wir es uns noch leisten, auf sie zu hören? Dass die wenigsten Bundestagsabgeordnete wirklich beurteilen können, was der ESM (hier ein Artikel vom Uhupardo) bedeutet, ist ein Korollar dazu.

Gender Gap. Interessant finde ich nebenbei auch, dass unter den damals jungen Erfindern der Credit Default Swaps, sich nur die Frauen vor die Kamera von PBS gewagt haben, fast so, als hielten sie sich alleine verantwortlich für die Lawine, die eigentlich andere ausgelöst haben.

Für den geneigten Leser noch eine weitere Bettlektüre: Ein Versuch über die Rolle Von Goldman Sachs und der Deutschen Bank bei der Subprime Krise,  herunterzuladen bei der FT als PDF:

WALL STREET AND THE FINANCIAL CRISIS:
Anatomy of a Financial Collapse
PERMANENT SUBCOMMITTEE
ON INVESTIGATIONS
UNITED STATES SENATE

Und ich warte noch auf etwas vergleichbares von der EU oder der Bundesrepublik. Es ist wenig hilfreich das ohnehin vielgescholtene Amerika alleine für die Krise verantwortlich zu machen. Sie hat hat viele Väter und Mütter. Aufräumen können wir jedoch nur zuhause. In jeder Krise steckt auch eine Chance, eine Chance auf grundlegende Veränderung. Welcher Erdteil diese  Chance zuerst nutzen wird, ist noch offen. Ich würde gerne auf Europa wetten.

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