wildezeiten

Über die neue Umverteilung

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Leute ohne Facebook haben keine Chance auf dem Jobmarkt und Biogemüse ist überflüssig


Jetzt haben wir es amtlich, dass Biogemüse Quatsch ist, amtlich vom Spiegel: „Die Wissenschaftler von der Stanford University in Kalifornien fanden nach Durchsicht aller bisher veröffentlichten Daten zu dem Thema keinen deutlichen Nachweis dafür, dass biologische Lebensmittel nährstoffreicher sind oder ein geringeres Gesundheitsrisiko bergen.“
An dem Tag, and dem auch in Europa genmanipuliertes Gemüse im großen Stil angebaut wird, erübrigt sich die Frage sowieso. Gerne würde ich vom Spiegel erfahren, wer die finanziellen Sponsoren der Universität Stanford sind. Die Meldung wurde fast gänzlich kritiklos rund um den Globus weitergereicht und nachgeplappert.

Wir haben es auch amtlich, von Forbes, dass diejenigen, die noch immer kein Facebook-Account haben, nicht ganz normal sind und überhaupt auf dem Arbeitsmarkt große Loser sind:
But it does seem that increasingly, it’s expected that everyone is on Facebook in some capacity, and that a negative assumption is starting to arise about those who reject the Big Blue Giant’s siren call. Continuing to navigate life without having this digital form of identification may be like trying to get into a bar without a driver’s license.
Offenbar macht lesen doch dumm, zumindest Lesen ohne eine gehörige Portion Skepsis.

Wer keine Facebook-Präsenz zeigt, wird von Recruitern beiseite geschoben. Wer sich auf Facebook unvorteilhaft darstellt, zumindest aus Sicht des Corporate-Universums, wird ebenfalls auf den Index gesetzt. Alle anderen müssen sich beim Einstellungsgespräch über die Schulter gucken lassen und ihr Passwort dem Chef überlassen. Wie lange wird es wohl dauern, bis jeder ein generisches Profil auf Facebook erstellt, bis nichts individuelles mehr übrigbleibt? Ich hoffe, nicht lange, weil dann virtuelle Netzwerke obsolet werden.

Günter Grass und die Kleingeister


Kriegstrommeln
Wie viele beobachte ich das Säbelrasseln zwischen dem Westen und dem Iran mit Sorge. Mir graut vor der Idee eines erneuten Präventivschlags gegen ein Land, eines Militärschlags mit vermeintlich chirurgischer Präzision, die verpricht, Zivilisten zu verschonen. Das ist alles schon mal dagewesen und hat sich als Fehler erwiesen, unter dem wir alle noch leiden werden. Ich bin also kein Freund der Idee des Erstschlags. Dennoch verabscheue ich das „Gedicht“ von Günter Grass, und ich halte ihn für einen Antisemiten, der Juden noch mal schnell eins auswischen will, bevor seine Tinte austrocknet. Was ist es, das mich so wurmt?

Hier eine kondensierte Form des Gedichts, für diejenigen, die mit Poesie nichts am Hut haben:
Die Israelis sind dabei, Verbrechen zu begehen, und Deutschen sind ihre Helfershelfer.Ich hab mich bislang nicht getraut, etwas zu sagen, weil ich dann des Antisemitismus’bezichtigt werde. Das halte ich für ungerecht, und das muss jetzt mal gesagt werden. Damit ich mich richtig traue, und dabei bei meinen Landsleuten noch gut aussehe, behaupte ich mal, dass Israel ja genauso verbrecherisch ist wie  Nazideutschland. Ich stinke, aber die stinken auch. Und weil ich ja nur helfen will, schlage ich mal internationale Kontrollen beider Länder vor. Das wird Israelis wie Palestinensern, und überhaupt allen Menschen dieser Welt helfen.

Was er nicht sagt:
Ob das mit der Kontrolle praktisch durchführbar  ist, das ist  mir egal, vermutlich bin ich eh schon tot, wenn es richtig losgeht. Bin ja schließlich nur ein Dichter.
Es ist möglich, dass Ahmadinedschad es nicht so ernst meint mit der Auslöschung Israels, aber ich bin mir nicht so sicher, und Gott sei dank muss ich ja nicht in Israel leben.

Was ich hier als Tabubruch inszeniere, ist im Grunde ein Heimspiel für mich. Alles verläuft nach Plan. Erst werde ich von den Medien gescholten. Dann aber kommt ein Aufschrei eines Teils der Bevölkerung, weil ich meine Finger in eine offene Wunde gelegt habe. Um die Heilung der Wunde geht es mir genausowenig wie um den Weltfrieden. Es geht mir nur darum, noch mal große Aufmerksamkeit zu erhalten, und um Revanche für die Kränkungen nach Veröffentlichung meiner Autobiographie. Hatte ich doch gehofft, Beifall für meine verspätete Offenbarung als Jungnazi zu erhalten. Stattdessen wurde ich als Heuchler verschrien. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen.

Über einen, der ein ganz großer Deutscher hätte werden können,
jedoch wegen Kleinkariertheit und Eitelkeit kläglich gescheitert ist. Gerade weil er als junger Mensch noch eine Uniform der Waffen SS trug, hätte er es wie kein anderer in Worte fassen können, wie ein Land, das sich versündigt hat, die Wandlung schafft zu einem modernen Deutschland, das für Recht, Freiheit und Frieden steht. Dazu hätte es natürlich der Ehrlichkeit und Bescheidenheit bedarft. Auch heute hätte er uns einen Weg zeigen können, wie man konstruktiv Kritik an einer Regierung Israels übt, die eben nicht antisemitisch ist. Hier eine Charakterisierung des Antisemitismus von Blogger André Freud, die ich sehr hilfreich finde.
Netanyahu ist ein Politiker, ein Falke. Es gibt Falken in den USA, in Europa und im Nahen Osten. Alle haben sie ein Interesse am Krieg. Wem ist es noch klar, dass islamische „Freiheitskämpfer“ im Grunde eine Kreation der Nazis waren, um Russland zu schwächen?Im Falle eines Krieges gewinnen nur dir Falken. Das ist es, was gesagt werden muss.

Die große nationale Wunde
die noch einige Generationen brennen wird, ist der Nationalsozialismus. Deutschland ist nie vollständig entnazifiziert worden, wie ich in einem anderen Artikel bereits versucht habe, darzulegen. Ohne emotionale Auseinandersetzung mit dem Thema begegnet man typischerweise nur zwei Grundhaltungen:
Entweder man distanziert sich von allem, wähnt sich als Weltbürger ohne geistige Wurzeln, oder man übt sich in partieller Amnäsie. Es ist schwer, stolz auf Goethe, Daimler Benz und die Nationalmannschaft zu sein, ohne sich gleichzeitig für Hitler und Opa in Wehrmachtsuniform zu schämen. Und es ist schwer, sich mehr als nur in abstrakter Weise mit dem Holocaust auseinanderzusetzen, wenn man den Opfern nicht täglich begegnen muss. Wenn man erst nach New York reisen muss, um wirklich zu begreifen, welchen Verlust unser Land sich selbst zugefügt hat. Wie ein Zwillingsbruder, den man erschlagen hat. Gerade weil die meisten das Erbe unserer jüngeren Geschichte nie verdaut haben, hat es Grass hierzulande so leicht, als Opfer einer Kampagne zu posieren. Er spricht vielen aus der Seele. Darin lag Kalkül, und ich finde es eine Gemeinheit.

Kleiner Denkanstoß für diejenigen, die noch an einer kontruktiven Kritik Israels basteln
Als ich zuerst darüber in einem Buch von Michael Moore las, war ich sehr erbost und beleidigt. Aber es hat mich zum Nachdenken gebracht. Also hier wäre vielleicht  der Keim zu einer Lösung des Nahostkonflikts:
Die Fläche Israels beträgt 20.770 Quadratkilometer. Das sind weniger als 30% Bayerns. Wie wäre es, wenn wir 30% Bayerns an Israel abtreten (ohne Zwang zum Eurobeitritt)?

Medien versagen


Das Jahr 2012 hat mit einem Knall begonnen, und

…niemand auf dieser Seite des Atlantiks hat es gemerkt. Der amerikanische Präsident hat zum Auftakt dieses Jahres Ermächtigungsgesetze unterschrieben, und niemand berichtet darüber. Kommentarlos möchte ich auf folgende Links verweisen, auf englisch und auf deutsch.
Niedlicher Wulff
Wir können nicht beeinflussen, was in anderen Ländern geschieht, wohl aber können wir verhindern, dass uns ähnliches widerfährt. Unsere Großeltern haben es zugelassen – wir sollten es besser wissen. Leider leisten die Medien nicht das, was sie leisten sollten.
Diese Neuauflage der Ermächtigungsgesetze sollte neben den Berichten über Wulff auf der ersten Seite jeder nenneswerten Zeitung stehen. Leider Fehlanzeige! Gerne würde ich auch lesen, dass Wulffs Verhalten gar nicht so ungewöhnlich ist. Er ist nur dumm aufgefallen. Das ist das eigentliche Problem.

Was nun?

Rundfunk und Zeitungen verfolgen offensichtlich andere Interessen, oder besser gesagt die Interessen Anderer. Auch hier – Murdoch ist nur dumm aufgefallen. Es ist müßig, darüber zu jammern.
Ich frage mich, wie man seine eigene Presse – und Blogschau zusammenstellen kann, ohne ein Heer an Rechsberatern anheuern zu müssen. Eine Nachrichtenschau, die sich respektiert, sollte Fakten und Meinungen fern der ideologischen, kulturellen und nationalen Grenzen zusammentragen. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Lebensbedingungen in Europa in diesem Jahr verändern werden, machen die Frage nach der Verteilung echter Information zur Überlebensfrage, zumindest für unsere Demokratie.

An die Leser

Der Autor ist selbst ratlos und würde Anregungen und Kommentare zum Thema alternative Medien – oder genauer gesagt Nachrichtenamalgamierung im Netz – sehr begrüßen.
Wie bastele ich eine Seite wie Drudgereport.com zusammen, möglichst mit mehrsprachigen Quellen, ohne Copyrights zu verletzen?

Danke und Alles Gute

Don Furioso

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