wildezeiten

Über die neue Umverteilung

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Der IWF stellt eine blasphemische Frage:


Was wäre wenn man alle Schulden mit einem Federstrich für null und nichtig erklären würde? Was wäre, wenn man den Banken das Privileg, Geld aus dem Nichts zu kreieren, einfach entziehen würde? Indem Banken nur einen Bruchteil des Geldes hinterlegen müssen, schaffen sie Geld. Würde die Zivilisation untergehen?
Diese Debatte war überfällig, nicht zum erstenmal in der Geschichte. Zuletzt (von prominenter Seite, nicht von Bloggern) wurde sie 1936  von Irving Fisher angeregt.
Der Ökonom befand folgendes: Aufgabe des Fiatsystems führt zu
1) der Eliminierung des wichtigsten Faktors in Konjunkturschwankungen
2) der Eliminerung von Bankenstürmen
3) einer dramatischen Reduzierung der öffentlichen Verschuldung
4) einer dramatischen Reduzierung der privaten Verschuldung

Diesmal wird sie im Namen des Internationalen Währungsfonds, unter der Feder von Michael Kumhof und Jaromir Benes geführt.
Hier ein PDF des Artikels. Die Forscher befanden, dass alle 4 Behauptungen  Fishers ihre Berechtigung haben. Dabei haben sie sich zurückhaltend ausgedrückt.

Wie Kommentator des konservativen britischen Blatts The Guardian in seinem Artikel „IMF’s epic plan to conjure away debt and dethrone bankers“ (Der epische Plan des IWF, Schulden wegzubeschwören und Banker vom Thron zu stürzen) es formuliert, sollte man dieser überfälligen Debatte, die einer Religionsdebatte verdächtig ähnlich ist, endlich ihren freien Lauf lassen.

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Lettland ist der lebende Beweis: Sparmaßnahmen funktionieren..


..oder sie funktionieren zumindest in den Augen derer, die nicht dort leben müssen. Nachdem der Bankenkrach 2008 Littauen ins Wanken brachte und das Land unter die Fuchtel des IWF und der EU zerrte, implementierte das Land einen der härtesten Sparkataloge.Christine Lagarde lobte die Politik als „tour de force“. Anders als in Griechenland und Spanien wurde nicht gemeckert, sondern geklotzt. Oder gehobelt – die Späne lassen grüßen.

Wie die Zeitschrift „The Economist“ bemerkt, kann das Land nun mit robusten Wachstumszahlen prahlen. Allerdings, und das muss selbst der Economist zugeben, zu erheblichen sozialen Kosten, wie etwa 20% Arbeitslosikeit oder massiver Auswanderung. Hier der Originalartikel mit interessantem Bildchen, das vorallem Leser aus dem Mittelmeerraum ärgern wird, zumindest diejenigen, die sich nicht in London, fern von den Zorn ihrer Landesgenossen, erholen können.
Wem der Klick zuviel ist, hier eine weit prägnantere und unterhaltsamere Zusammenfassung auf Youtube. „Great Latvia Success Story!“

Lagarde: Kinder in Niger sind mir näher am Herzen als steuerschwänzende Griechen


Der Titel sagt schon alles: IWF-Chefin Lagarde spielt die einen gegen die anderen aus, bei einem steuerfreien Gehalt, der jeden Normalbürger Tränen in die Augen treibt. Gefragt, ob sie beim Studieren der Bilanzen sich dessen bewusst sei, dass Frauen keinen Zugang zu Geburtshelferinnen haben, Patienten keine lebenswichtigen Medikamente, ob sie all dies aus ihrem Bewusstsein dränge, antwortet sie:

„Nein, ich denke eher an kleine Kinder in einer Schule in Niger, die zwei Stunden Unterricht pro Tag erhalten, einen Stuhl für drei teilen, und immer eifrig lernen. Ich habe sie ständig in meinem Bewusstsein. Weil ich denke, dass sie mehr Hilfe brauchen als Menschen in Athen….Wissen Sie was? Was Athen betrifft, denke ich auch an diejenigen, die ständig versuchen,Steuern zu hinterziehen. All diese Leute in Griechenland, die versuchen, Steuern zu entrinnen.“

Wer schon immer mal wissen wollte, wie die Nachfolgerin von Strauss-Kahn tickt, möge sich das Interview bei The Guardian zu Gemüte führen.

Wo die Reise hingeht ist offensichtlich: Der IWF wird nicht eher ruhen, bis Griechenland Niger ähnelt. Wer denkt, Lagarde oder ihre Nachfolger machen bei Deutschland halt, irrt.

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