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Über die neue Umverteilung

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Gedanken über Billigimporte, Sklavenarbeit und den iPad


Was wäre fast so schlimm wie Spielzeug, das von Kindersklaven hergestellt wird? Wohl Spielzeug für Erwachsenen, wie der iPad, das von Studentsklaven hergestellt wird. Wieder einmal sorgen Untersuchungen der Arbeitsbedingungen bei Foxconn, dem bekanntesten Apple-Zulieferer, für böse Schlagzeilen. In diesem Blog wurde bereits in der Vergangenheit darauf aufmerksam gemacht. Nicht nur, dass Arbeiter des Elektronikherstellers Selbstmord begingen – als Gegenmaßnahme wurden immerhin Netze aufgestellt – nun ist Foxconn dem Vorwurf ausgesetzt, Schüler und Studenten zu Fabrikarbeit zu zwingen. Der Zwang, so lautet der Vorwurf, beruhe auf der Androhung, keine Zeugnisse auszustellen, sollten sich Studenten weigern, am „Praktikum“ teilzunehmen. Hier ein Artikel aus dem Spiegel, und ein Artikel aus The Guardian.

Manche mögen sagen „Na und, arme Leute schuften für wenig Geld. Deshalb nennt man sie arm“, wie Blogger Tim Worstall in seinem Artikel zu diesem Thema so treffend formulierte. “ Deshalb wünschen wir, dass sie mit der industriellen Revolution fortfahren, damit sie so reich werden, wie wir. “ Ich bin gespannt auf das Ergebnis, vorallem auf das „so reich wie wir“angesichts des Lohndumpings, das Europa erfasst. Ebenso  gespannt bin ich auf den nächsten Charles Dickens.

Heiße Ware. Angeblich werden die neuen iPads schnell zu heiß. Ich selbst habe kein iPad, nicht zuletzt weil ich den Hype um die völlig überteuerten Trendprodukte nicht verstehe. Aber selbstverständlich kaufe ich T-Shirts oder Elektronikprodukte aus China oder Taiwan.
Wenn ich sehe, wie schnell Nähte zerbröseln oder wie schnell Kabel ihren Dienst versagen, frage ich mich, wer der Gewinner dieser globalen Arbeiterarbitrage ist. Die Arbeiter offenbar nicht. Ich auch nicht, weil hier billig teuer wird. Meine Kaffeemaschine, zwei Jahre alt, sehr teuer, ist mir vorige Woche durchgeschmort und hätte mir fast die Wohnung in Brand gesetzt. Vermutlich war ein billige Komponente des Markenprodukts dafür verantwortlich. Meine neue Kaffeemaschine ist Made in Poland und braucht keinerlei Elekronik.
Zum Kontrast: Neulich, in einem Spielzeugkasten bei New Yorker Freunden, entdeckte ich Spielzeuge Made in Germany. Sie waren ungiftig, solide und wurden von fair bezahlten, erwachsenen Arbeitern hergestellt. Die Spielzeuge waren 40 Jahre alt und haben mehrere Generationen überstanden.

Was kaufen?Ich habe kein Verhaltensrezept anzubieten. Für mich persönlich ist die Herkunft und der Ruf des Herstellers mehr und mehr ein Kaufkriterium. Ich habe keine Lust auf Sklavenarbeit, egal auf welchem Erdteil, und ich fürchte mich vor explodierenden Kaffeemaschinen. Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Transparenz bei Herstellern, und dass Made in Europe wieder ein Kauffaktor wird.

Die globale Arbeitsteilung, wie sie von so manchen ersonnen und implementiert wird, sieht wohl so aus: Produktion durch moderne Sklaven in China und Taiwan, Freizeit und Unterhaltung für Superreiche in den „Peripherieländern“ Europas. Attraktivstes Beispiel ist das geplante Nutten- und Spielzentrum „Eurovegas“. Ein Artikel hierzu beim Uhupardo.

iSlave


Beim Design des iPad stimmt alles bis aufs i-Tüpfelchen. Es ist hübsch, hipp und ergonomisch. Wenn da nur nicht diese unappetitlichen Details wären wie etwa die menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen diese kleinen Wunder der Technik hergestellt wurden. Das nächste Mal, dass Ihre Hände über das glatte Touchscreen fahren, denken Sie ein Weilchen an die zarten, kleine Hände des anonymen 13-jährigen Fabrikarbeiters, der es exclusiv für Sie zusammenhestellt hat, vielleicht während einer 30-Stunden-Schicht. Vielleicht hat der kleine Fabrikarbeiter, nennen wir ihn doch Dobby, das Stück mit einer giftigen Chemikalie gesäubert.

Sweatshop Foxconn.Die Praktiken des Elektronikzulieferers Foxconn sind jedem bekannt, der hinsehen will. Erstmals wurden ein Artikel über den Fabrikanten des iPad in der NY-Times veröffentlicht.  Apple liefert das Design, das Marketing, die Distribution über ihre schicken Läden und kassiert dafür einen satten Aufpreis. In den Chefetagen von Apple wird mit sich gerungen, der CEO ist sichtlich besorgt über die negativen Schlagzeilen, die Selbstmorde, Arbeitsunfälle und Kinderarbeit bringen.

Wie gut, dass Apple die richtigen Prioritäten hat. Mit der Abschaffung von Sklaverei hat man’s nicht so eilig. Viel wichtiger ist es, das zeigen von nackter Haut zu unterbinden. Auf der  Titelseite des spanischen Magazins „Muy Interesante“ ragt ein nackter Mann, als Hingucker für die Titelgeschichte über des Mannes bestes Stück. Dank der Sittenbrigade von Apple wurde die Verbreitung der Ausgabe per iPad jedoch unterbunden, wie hier im Focus zu lesen.
Apple braucht Ihre Hilfe: Wenn sie sich weigern, Apple zu kaufen, hat Apple-Chef Tim Cook endlich einen Grund, ethisch zu handeln. Wer weiß – vielleicht findet er dann einen Zulieferer in Europa. Die Sache ist unglaublich einfach: Wenn wir Sklaverei in anderen Ländern unterstützen, kommt die Sklaverei irgendwann zu uns.

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