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Über die neue Umverteilung

Archiv für das Schlagwort “Banken”

Das Bauernopfer des Tages – Jérôme Kerviel


Im Januar 2008 meldete die französische Bank Société Générale, auch „Socc Gen“ genannt, einen Handelsverlust von fast 5 Milliarde Euro an, einen Verlust den sie einem einzelnen ihrer Händler in die Schuhe schiebt: Jérôme Kerviel
Seither ist sind beide Parteien im Dauerstreit vor Gericht. Kerviel beteuert, mit dem ausdrücklichen Segen seiner Vorgesetzen gezockt zu haben. Zock Gen, pardon, Socc Gen bestreitet dies und beharrt auf dessen alleinige Verantwortung. Heute, am 24 Oktober, bestätigte ein französisches Berufungsgericht seine alleinige Schuld. Er wurde zu 3 Jahren Haft und zur Zahlung von 4.9 Milliarden Euro verurteilt. Er wurde als waghalsiges, spielsüchtiges Computergenie dargestellt. Das mag alles stimmen – obsessives Verhalten ist notwendig, um in diesem Geschäft erfolgreich zu sein. Solange es gutgeht, werden Trader gefeiert. Geht es schief – und wie in jedem Roulettespiel kommt der Tag garantiert – werden sie gefeuert, bestenfalls. Die Hierarchie bleibt bestehen. Kracht die Bank, steht der Steuerzahler ja bereit. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Peugeot. Der Autohersteller muss für die staatliche Unterstützung Entscheidungsbefugnisse abgeben, oder anders gesagt: Das Unternehmen wird verstaatlicht, mit aller Konsequenz. Warum geht das nicht mit Banken?

Warum ist dieses Urteil für jeden relevant? Es geht jeden etwas an, weil Kerviel mit Derivaten zockte, jenen undurchsichtigen Finanzprodukten, die die heutige globale Depression hervorgerufen haben.Die meisten Derivate (meisten im Sinne des kumulierten Nominalwertes) sind undurchsichtig zum einen, weil ihre Ausstattung bewusst komplex ist, zum anderen weil sie an der Öffentlichkeit vorbei, unterm Ladentisch gehandelt werden. Das Zocken mit Derivaten ist die Ursache dafür, dass Sie, Leser, entweder im Müll nach Nahrung suchen müssen, falls sie in Spanien oder Griechenland leben, oder ihre Ersparnisse wegen Inflation schrumpfen, ihre Steuern bald steigen und Ihre Kinder das Wort Rente nur aus Erzählungen kennen werden, falls Sie in Deutschland leben.
Das Urteil geht auch Sie etwas an, weil mit diesem Bauernurteil verschleiert wird, dass die Architekten dieses Systems ungestört weiter an der globalen Umverteilung basteln können. Dabei ist es egal, ob es sich um eine „Verschwörung“ handelt, oder um simple wildgewordene Gier.

Lesetipp: Wer sich mehr für den Fall Socc Gen interessiert, dem empfehle ich das Buch von Jérôme Kerviel selbst,“L’engrenage – Mémoires d’un trader“ (Das Räderwerk – Erinnerungen eines Traders).

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Der IWF stellt eine blasphemische Frage:


Was wäre wenn man alle Schulden mit einem Federstrich für null und nichtig erklären würde? Was wäre, wenn man den Banken das Privileg, Geld aus dem Nichts zu kreieren, einfach entziehen würde? Indem Banken nur einen Bruchteil des Geldes hinterlegen müssen, schaffen sie Geld. Würde die Zivilisation untergehen?
Diese Debatte war überfällig, nicht zum erstenmal in der Geschichte. Zuletzt (von prominenter Seite, nicht von Bloggern) wurde sie 1936  von Irving Fisher angeregt.
Der Ökonom befand folgendes: Aufgabe des Fiatsystems führt zu
1) der Eliminierung des wichtigsten Faktors in Konjunkturschwankungen
2) der Eliminerung von Bankenstürmen
3) einer dramatischen Reduzierung der öffentlichen Verschuldung
4) einer dramatischen Reduzierung der privaten Verschuldung

Diesmal wird sie im Namen des Internationalen Währungsfonds, unter der Feder von Michael Kumhof und Jaromir Benes geführt.
Hier ein PDF des Artikels. Die Forscher befanden, dass alle 4 Behauptungen  Fishers ihre Berechtigung haben. Dabei haben sie sich zurückhaltend ausgedrückt.

Wie Kommentator des konservativen britischen Blatts The Guardian in seinem Artikel „IMF’s epic plan to conjure away debt and dethrone bankers“ (Der epische Plan des IWF, Schulden wegzubeschwören und Banker vom Thron zu stürzen) es formuliert, sollte man dieser überfälligen Debatte, die einer Religionsdebatte verdächtig ähnlich ist, endlich ihren freien Lauf lassen.

Eine Krise – 3 Perspektiven


Erinnern wir noch einmal daran, dass die weltweite wirtschaftlich Depression von Banken ausgelöst wurde. Staaten wie die USA oder die EU sind am Rande des Bankrotts getrieben worden, weil sie ihre als unverzichtbar geltenden Banken retten müssen, auf Kosten der Bürger – und zwar überall. Lobbyisten der Banken haben Volksvertretern weißmachen können, dass ihre Subventionierung ohne Gegenleistung unverzichtbar für das bitter benötigte Wachstum sei, ja für die Rettung der Zivilisation. Vorallem verbreiteten sie drei Weißheiten, die jeder kritiklos übernahm. Robert Jenkins, Mitglied der Bank of England, äußerte sich nun kritisch über diese Glaubenssätze, die er als Mythen bezeichnet. Peer Steinbrück scheint auf die Mythen nicht hereingefallen zu sein, da sein Wahlkampfpapier ganz gezielt auf eine Reform und stärkere Verantwortung der Banken zielt.

Mythos 1: Zu hohe Kapitalanforderungen gehen auf Kosten des Wachstums. Das ist Unsinn, weil höhere Kaptalhinterlegung die Kosten der Kreditnahme verringern
Mythos 2:Geringerer Ertrag vermindert die Chance auf Investoren. Das ist Unsinn, weil nicht jeder Investor bloß auf kurzfristige Gewinne hin anlegt.
Mythos 3: Bankenregulierung zerstört den Wettbewerbsvorteil des Standorts. Also: Wenn London dem hemmungslosen Treiben ein Ende setzt, ist London nicht mehr London. Das ist ebenfalls Unsinn, weil im Gegenteil, Vertrauenswürdigkeit der Entscheidende Faktor ist.

Hier ein Artikel des konservativen Telegraph, im Volksmund auch Torygraph genannt.

In der zwischenzeit gibt es immernoch selbsternannte Experten, vorallem im Blatt für kluge Köpfe, der Frankfurter Allgemeinen, denen die Strangulierung der Südstaatenländer nicht heftig und brutal genug zugeht. So schreibt FAZ-Schreiber Klaus-Dieter Frankenberger, gelernter Amerikanist, die Regierungen müssen weiter Kurs halten. So heißt es in seinem Artikel Kurs halten in der  Krise:

Aber auch in Madrid eskaliert der Protest. Das zeigt zweierlei: Die Sparpolitik zeigt Wirkung, die Kürzungen treffen viele Leute wirklich. Aber noch immer haben viele nicht begriffen, dass es so wie früher, als der Staat mehr ausgab, als er hatte, und die Bürger es ihm nachmachten, nicht mehr geht. Das Missverhältnis zwischen Konsum und Einnahmen führt in den Bankrott und gefährdet die Währungsunion; diese Lektion sollten nun alle gelernt haben. Und: Wer die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft ruiniert, muss später einen hohen Preis zahlen.

Was für eine Wirkung die Sparpolitik vor Ort hat, kann man in der New York Times lesen, in einem Artikel der beschreibt, wie immer mehr Spanier ihre Mahlzeiten in Müllkontainern von Supermärkten suchen.

Spain Recoils as Its Hungry Forage Trash Bins for a Next Meal

Wer bleibt wohl am Ende übrig?


Zuerst gerät HSBC mit dem Vorwurf der Geldwäsche ins Kreuzfeuer der US-Behörden, dann droht der britischen Bank Standard Chartered der Entzug der Banklizenz in den USA. Der Spiegel berichtete brav darüber, welch schmutzige Geschäfte die nun aufgedeckt wurden, und denkt sich nichts böses dabei. ch habe keinen Zweifel daran, dass die Vorwürfe berechtigt sind. Wenn ich jedoch lese, dass andere, größere Banken von jeglichem Vorwurf des Missbrauchs bei der Subprime-Krise reingewaschen wurden, dann komme ich  ins Grübeln.

Ist es meine Einbildung, oder ist es, wie oft, der Stärkste, der die Regeln bestimmt, der Geschichte schreibt, der bestimmt, wer die Zeche zahlt? Nicht, dass ich Mitleid mit irgendeiner Bank hätte, denn am Ende zahlen wir für alle Banken, und es ist egal, welcher Name am ende die Tore der übriggebliebenen Institute ziert. Wenn ich solche Meldungen lese, dann fehlt mir jegliche Geduld mit denjenigen, die immernoch darüber schwafeln, wie sehr die Menschen über ihre Verhältnisse gelebt haben.

Deutschland zahlt und zahlt…


.. und steht im Ausland immernoch als Arschloch da. Beleidigungen, Nazi-Vergleiche, Schuldzuweisungen, als wäre Deutschland, mit seinen Tugenden an dem globalen Finanzkollaps schuld. „Frau Merkel, können wir jetzt endlich die Motoren starten“ fragt The Economist in seinem provokativen Titelblatt. Warum zieht Deutschland immer die Arschkarte?

Wer jetzt erwartet, dass der Rest des Artikels im Calimero-Stil über diese ungerechte Behandlung jammert, sei gewarnt: Das werden Sie hier nicht finden. Auch nicht die vermeintlich entgegengesetzte Meinung werden sie  finden. Dass der deutsche Steuerzahler auf ewig eine Lawine aufhalten muss, die nicht aufzuhalten ist. Es ist nur vermeintlich die entgegengesetzte Meinung, als Ablenkung von der Realität. Ob die Menschen in Deutschland oder in Griechenland je über ihre Verhältnisse gelebt haben, ist verglichen mit dem Maße, in dem sich die Banken verzockt haben, nun irrelevant. Das hier ist eine Bankenkrise.

Also, nochmal die Frage: Warum stehen wir immer als Arschloch da? Muss es uns überhaupt kümmern? Wer einen Hinweis auf die erste Frage sucht, muss nur einen Blick auf den offenen Brief der BILD and die „lieben Griechen“ wagen. Wer sich fragt, warum Nazivergleiche sich im Ausland immernoch großer Beliebtheit erfreuen, braucht eigentlich nur den letzten Abschnitt dieses Ergusses zu lesen:

Der Deal war: Ihr bringt endlich Euer Land auf Vordermann und wir helfen Euch über die Durststrecke. Wenn IHR das nicht mehr wollt, wollen WIR auch nicht mehr. Ihr habt es in der Hand.

Bei  Schlagworten wie “Vordermann” und “Durststrecke” bin ich versucht, die Hacken zusammenzuschlagen „Jawoll, mein FF…“

Wenn ich daran denke, dass in Griechenland einige Menschen tatsächlich hungern, wird mir allerdings übel. Etwas dezenter ging es am 5. März 2010 beim Stern zu.

Hier einige Auszüge, verziert mit Kommentaren von Don Furioso:

Offenbar versteht Ihr doch was von Buchführung, denn um die Stabilitätskriterien für den Euro zu erfüllen, habt Ihr Eure Bücher so systematisch und geschickt gefälscht, dass die Brüsseler nichts gemerkt haben. In Wahrheit habt Ihr den Euro nie verdient. Trotz Eurer erschwindelten Daten ist es Euch seit der Einführung des Euro noch nie gelungen, die Stabilitätskriterien zu erfüllen. Um Eure Wirtschaft größer erscheinen zu lassen, habt Ihr Euch 2006 einen hübschen Taschenspielertrick einfallen lassen und kurzerhand die Erlöse aus Geldwäsche, Rauschgifthandel und Schmuggel in die jährliche Wirtschaftsleistung Eurer stolzen Nation eingerechnet.

Nein die Taschenspielertricks kamen aus der Trickkiste von Goldman Sachs. Berlin und Brüssel haben dabei weggesehen.

Ein Körnchen Wahrheit steckt hinter dem folgenden Abschnitt, wenn auch mit dezent braunen Untertönen:

Macht Euch keine Illusionen. Wenn Angela Merkel verspricht, „Griechenland wird nicht allein gelassen“, dann geht es unserer Kanzlerin und uns Deutschen nicht mehr um Euch Griechen. Unsere Sorge gilt allein unserer eigenen Zukunft.

Es geht wohl eher um die Sorgen der Banken. Der Zynismus ist natürlich umwerfend. Ich kann nur hoffen, dass wir nie mehr wieder auf den Marshallplan angewiesen sind. Wow,ob der Autor insgeheim Deutschland hasst?

Das Unglück ist nur: Wir sind an Euch gekettet. Wenn Ihr untergeht, zieht Ihr uns mit unter Wasser. Zum Beispiel durch die 300 Milliarden Schulden, die Ihr mit den Jahren aufgetürmt habt. Rund 30 Milliarden davon gehören den Sparern bei deutschen Banken, in Form von Staatsanleihen.

Ach, hätte der gute Mann es doch nur anders ausgedrückt, etwa so-

Wir sind in unserem Schicksal alle miteinander verbunden. Geht Ihr pleite, verlieren deutsche Sparer ihre Pension. Wir sind uns dessen bewusst, dass wir alle teilen müssen, um die Kuh gemeinsam vom Eis zu holen.

Der interessanteste Abschnitt:

Und, liebe Bürger Griechenlands, redet Euch nicht damit heraus, Eure Politiker seien allein schuld an der Katastrophe.

Amen, das gilt auch für uns in Deutschland!

Ihr habt doch die Demokratie erfunden und solltet wissen, dass Ihr, das Volk, regiert und damit verantwortlich seid.

Oh Gott, das ist so doof, ich muss mich mal gerade fremdschämen! Bildung auf Googleniveau. Ich weiß nicht, wie das Wörtchen „Sollte“ auf Griechisch klingt. Ich weiß, auf deutsch soll es als dezenter Hinweis auf Besserwissertum rüberkommen. Aus eigener Erfahrung im englischen Sprachraum weiß ich, dass es erschreckend grob und autoritär rüberkommt. Erneut muss ich die Hacken zusammenschlagen.

Niemand zwingt Euch, Steuern zu hinterziehen, Schmiergelder anzunehmen, gegen jede vernünftige Politik zu streiken und korrupte Politiker zu wählen. Politiker sind Populisten. Die machen genau, was Ihr wollt.

Wo doch jeder weiß, wie ehrlich wir sind! Niemand hat den deutschen Sparer gezwungen, Anleihen zu kaufen, die er nicht versteht. Das gilt übrigens auch für „Garantiezertifikate“ oder „Bonuszertifikate“.

Sicher werdet Ihr jetzt einwenden: Ihr Deutschen, Ihr seid doch auch nicht viel besser.

Jetzt kommt der einzige Abschnitt, der einen Hauch von Intelligenz vermuten lässt:

Stimmt. Ein Rentensystem, dem kaum einer noch traut, Beamtenpensionen, von denen niemand weiß, wie sie in der Zukunft bezahlt werden sollen, ein Steuersystem, das so aussieht, als hätten erfahrene Hinterzieher es sich ausgedacht, und vor allem ein Schuldenberg, der irgendwann ins Rutschen gerät und alles unter sich begräbt – genau diese Probleme haben wir auch. Und Ihr seid uns auf diesem Pfad der Untugend nicht so weit voraus, wie viele glauben. Amen!

 Wer immernoch neugierig ist, wie soviel Deutschtümelei, verkrüppelte Empathie und Besserwissertum bei einem nichtdeutschen und nichtgriechischen Normalbürger ankommt, dem empfehle ich diesen Artikel aus einem britischen Blog „Another Angry Voice“:

Die Frage, ob uns das kümmern muss, sollte jeder für sich beantworten.Ich weiß nur eines: Wenn die Widerrede und Empörung zu solchen Artikeln von deutscher Seite zu mager ausfällt, werden uns in Zukunft nicht nur Griechen und Spanier Käse in die Ohren stopfen. Wer sich, nachdem die Banken, mit oder ohne Griechen, zusammengebrochen sind, immernoch Urlaub leisten kann, wird es dann an der Nordsee tun müssen. Oder in einer Gated Community.
Mich beschäftigt diese Frage gerade seit Ausbruch der Krise. Eine Teilantwort habe ich in meinem Artikel zu unserer unvollständigen Vergangenheitsbewältigung versucht. Ich meine, dass uns die Geschichte unserer unehrlichen Entnazifizierung gerade jetzt in den Hintern beißt.


JP Morgan, bleib bei deinen Leisten


oder so ähnlich äußerte sich Nassim Taleb in einem BBC Interview über die gigantische Fehlspekulation von JP Morgan. JP Morgan solle sich auf das Geschäft konzentrieren, dass es auch wirklich versteht: Das Vergeben von Krediten an Farmern und dergleichen. Hedgefund spielen ist zu komplex.Fehleinschätzungen der Risiken führen zu Fehlspekulationen, die Milliarden kosten. Fehlspekuation, die letztendlich der dumme Otto Normalverbraucher zu tragen hat. Nassim Taleb ist Autor des Buches „The Black Swan“, dessen Hauptthese sich in einem Satz zusammenfassen lässt:

Die Methoden, die Investmentbanken zur Risiko-„Kontrolle“ benutzen, unterschätzen die Wahrscheinlichkeit extremer Ereignisse (daher der Titel des Buches), weil sie zu unrecht die Gaußsche Normalverteilung jeder Rechnung zugrundelegen. (Anmerkung: Ganz eingfach weil sich damit leichter rechnen lässt). Wenn schon Wahrscheinlichkeitstheorie, dann bitte mit Verteilungen, die Extremwerten ein höheres Gewicht beimessen!

Zyniker wie Don Furioso könnten dem entgegensetzen, dass dank des schafgleichen Steuerzahlers die Wahrscheinlichkeit von Extremwerten, zumindest aus Sicht der Zockerbanken, dennoch korrekt eingeschätzt  werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine „systemrelevante“ Bank für ihre Fehleinschätzung auch geradestehen muss, also nicht von uns gerettet wird, ist etwa so hoch wie die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Sturms auf die Bastille, was zuletzt 1789 geschah.

Der darwinistische Druck der Märkte wird für die großen Spieler einfach ausgehebelt. Für JP Morgan gibt es also keine „Fat Tails“, also Riskikoverteilungen, die Extremwerten-  Verlust von Milliarden in einer einzigen Spekulation qualifiziert durchaus als  Extremwert – größeres Verteilungsgewicht verleihen.

Als Taleb während des Interviews erklärt, dass Banker de facto als Beamte behandelt werden sollten, nachdem sie Geld vom Staat erhalten haben, wird er kurzerhand als „Idealist“beschimpft. Er wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, was das Gespräch beendet. Sehen Sie selbst:

Facebook IPO – Schadenfreude erlaubt


Facebook ist auf dem Papier mehr wert als McDonald’s und produziert – rein gar nichts. Es lebt von dem Versprechen, durch mehr Werbung  höhere Umsätze zu erzielen. Kurz vor dem IPO hat General Motors seinen Werbeetat von 10 Millionen USD von FB zurückgezogen. Das sollte jedem zu denken geben, der immernoch in Erwägung zieht, Facebook Akien zu kaufen.
Hier ein kurzes Animé über Facebook, auf chinesisch mit englischen Untertiteln.

Selbst wer weder börsianisch, chinesisch noch englisch versteht, kann diesem Kurzfilm folgen. Doch Vorsicht: Der Film enthält einige brutale Szenen (Investoren werden von einem Bullen aufgespießt, nichts für sensible Gemüter)

Punk Economics III


In Teil 3 seiner Reihe „Punk Economics“ diskutiert irischer Ökonom David McWilliams die möglichen Konsequenzen der von den Zentralbanken koordinierten Geldschwemme. Nach seiner Schätzung kostet die Rettung der Banken mehr, als es kostete, den 2. Weltkrieg zu führen, den 1. Golfkrieg, einen Mann auf den Mond zu setzen, nach dem Tsunami in Japan aufzuräumen und das Gesamtbudget der afrikanischen Entwicklungshilfe der letzten 30 Jahre zusammen. Bisher. Tendenz steigend. Das ist  viel Geld, das den Banken zur Verfügung gestellt wurde.

Bargeld auf der Suche nach einem neuen Heim. Die Theorie, so wie sie uns verkauft wird, besagt, dass dieses Geld letzten Endes uns Normalbürger erreichen wird. Das wird es auch. Die Frage ist, in welcher Form. Wird es uns in Form von Inflation heimsuchen?  Inflation, die die Zentralbanken in einem hektischen Versuch,das Zinslenkrad umzuschwenken, mit extrem hohen Zinsen bekämpfen werden?

Interessante These, hier bei Youtube unterhaltsam veranschaulicht:

Warren Buffets Nachfolger über Investition in Gold: Das ist für Unzivilisierte..


Langjähriger Investment Guru und Fondsmanager von Birkshire Hathaway, Warren Buffet braucht einen Nachfolger. Den hat er in seinem Vize, Charlie Munger gefunden. Charlie Munger wird bald die Verantwortung für den berühmntesten Fond übernehmen, und das im zarten Alter von 88 Jahren. In einem Interview von CNBC wurde er gebeten, über eine Investmentthese eines Kollegen-Rivalen, David Einhorn, Manager von Greenlight Capital, Stellung zu nehmen.
Einhorn hatte in einer Kolumne der Huffington Post in verständlichen Worten dargelegt, weshalb er zur Zeit eine Investition in Gold für vernünfig hält. Hier seine These, dargelegt mithilfe von Marge und Homer Simpson.

Charlie Munger, nicht gerade für Humanität und Empathie bekannt, dafür aber für so manche Blüten, so z.B.

„Thank God the US opted for bailouts and not handouts…People in economic distress should suck it up and cope.“
Übersetzt etwa:

„Gott sei dank hat die USA Banken gestützt, und nicht Leute. Leute in wirtschaftlicher Not sollten es einfach runterschlucken und damit zurecht kommen.“

Die Spanische Regierung tut gerades das, Banken retten auf Kosten der armen Sucker, pardon Schlucker,wie hier in einem Artikel von Uhupardo berichtet.Er mag also keine armen Leute, die sind selber schuld, ganz weiß-puritanisch, wenn wir schon bei Klischees sind.

Ebensowenig mag er offenbar Juden, wie er in kürzlich in einem Interview bei CNBC zu erkennen gab, hier, ab der 8. Minute:

„Ich glaube Gold ist eine tolle Sache für eine jüdische Familie im Wien von 1931, um sich in die Kleider einzunähen. Ich denke, zivilisierte Leute kaufen kein Gold – sie investieren in produktive Unternehmen.“

Alles unzivilisierte Leute (auch Plebs genannt), diese Goldkäufer, die nicht mehr an die Zentralbanken glauben. Dazu gehören auch viele Deutsche, die aus Furcht vor weimarer Inflation im Wert von Millionen Gold unter ihre Matrazen und Tresore gesteckt haben.

Übrigens, Charlie, waren es nicht Goldbarren, die sich jüdische Flüchtlinge in die Unterwäsche nähten, sondern Diamanten. Diamanten haben mehr Wert pro Gramm, sehr wichtig, wenn man alles zurücklassen muss und um sein Leben rennt. Ob Charlie ein Tagebuch in Frakturschrift führt? In welcher Schrift auch immer, von Not wird wohl nicht viel in diesem Tagebuch stehen, sonst wäre er wohl nicht so alt geworden, ohne einen Funken Mitgefühl entwickelt zu haben.

Money, Power & Wall Street


Der öffentlich-rechtliche amerikanische Sender PBS hat eine 4-teilige Serie über die Ursache und Entwicklung der weltweiten Finanzkrise gestartet. Hier der Link zum ca. einstündigen 1. Teil der Serie.

Der  Bericht seziert penibel klein, wie eine Idee, entwickelt von einer Gruppe von Jungbankern, weitergesponnen von gierigen Altbankern und ignoranten Möchtegern-Financiers, zur heutigen Katastrophe führte. Besonders viel Freude für deutsche Zuschauer bereitet der Film  in der 38. Minute, in der beschrieben wird, wie unsere deutschen Landesbanker gierig nach Finanzinstrumenten griffen, deren Implikationen sie nie begriffen haben. Auch Josef Ackermann kommt darin zu Wort. Ich warte noch auf ein Doku deutscher Herkunft, das über das Versagen in Deutschland berichtet.

Ob man denjenigen, die immernoch von „Too Big To Fail“ schwatzen, Gier, Bosheit oder Inkompetenz unterstellt, ist eigentlich egal.  Wichtiger ist: Können wir es uns noch leisten, auf sie zu hören? Dass die wenigsten Bundestagsabgeordnete wirklich beurteilen können, was der ESM (hier ein Artikel vom Uhupardo) bedeutet, ist ein Korollar dazu.

Gender Gap. Interessant finde ich nebenbei auch, dass unter den damals jungen Erfindern der Credit Default Swaps, sich nur die Frauen vor die Kamera von PBS gewagt haben, fast so, als hielten sie sich alleine verantwortlich für die Lawine, die eigentlich andere ausgelöst haben.

Für den geneigten Leser noch eine weitere Bettlektüre: Ein Versuch über die Rolle Von Goldman Sachs und der Deutschen Bank bei der Subprime Krise,  herunterzuladen bei der FT als PDF:

WALL STREET AND THE FINANCIAL CRISIS:
Anatomy of a Financial Collapse
PERMANENT SUBCOMMITTEE
ON INVESTIGATIONS
UNITED STATES SENATE

Und ich warte noch auf etwas vergleichbares von der EU oder der Bundesrepublik. Es ist wenig hilfreich das ohnehin vielgescholtene Amerika alleine für die Krise verantwortlich zu machen. Sie hat hat viele Väter und Mütter. Aufräumen können wir jedoch nur zuhause. In jeder Krise steckt auch eine Chance, eine Chance auf grundlegende Veränderung. Welcher Erdteil diese  Chance zuerst nutzen wird, ist noch offen. Ich würde gerne auf Europa wetten.

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