wildezeiten

Über die neue Umverteilung

Archiv für den Monat “Oktober, 2012”

Die Bibel für Hasser des Gemeinwohls ? – Ayn Rands „Atlas Shrugged“


Wer sich wundert, dass sich  manche für ungezügelten Egoismus und gegen das Konzept des Gemeinwohls aussprechen, ohne rot zu werden, der hat eines übersehen: Er hat übersehen, dass nicht jeder das Prinzip des Gemeinwohls, das mit dem Prinzip des Individualismus balanciert werden muss, als moralisches Prinzip anerkennt. Es gibt Menschen,deren Werteuniversum auf einem ganz anderen Fundament fußt. Ihre Bibel heißt „Atlas Shrugged“ oder deutsch „Der Streik“ von Ayn Rand.

Der Roman ist in Deutschland weitgehend unbekannt, hat in den USA jedoch Kultstatus. Einige Politiker in Deutschland, darunter Frank Schaeffler, scheinen sich auf Rands Philospophie  zu berufen. Daher habe ich mir endlich vorgenommen, das zumindest nach Gewicht schwere  Werk zuendezulesen und vielleicht zu kommentieren. Wer Libertäre verstehen will, sei es, um sich zu ihnen zu gesellen oder ihnen zu widersprechen, sollte dieses Werk lesen.

Ich selbst habe ca 50% gelesen und quäle mich ein wenig. Würde ich das bisher gelesenene jetzt kommentieren, wäre es ein unfairer, weil verfrühter Verriss. Daher stelle ich  Frank Schaefflers Youtube-Empfehlung hier an dieser Stelle vor.

Warum FDP? Weil ich mal der Auffassung war, dass die FDP einen wichtigen Beitrag zur politischen Landschaft leistet. Weil ich dachte, sie meinten es ernst in Sachen Bürgerrechten in Feldern wie Datenschutz oder Telefonüberwachung, Rechte von Schwulen und Lesben. Durchgestzt haben sie sich nur in Sachen Steuersenkung. „Leistung muss sich wieder lohnen“  dröhnt mir noch in den Ohren, und die Frage, wie man Leistung denn bewertet schwingt nach. Rands Buch gibt wohl ihre Antwort auf die Frage, wie Leistung zu bewerten und entlohnen ist.

Viel Freude bereitete mir die Lektüre des Rezension „Ayn Rant kommt selten allein: 6%“ von Fellow-Blogger Muriel Siberstreif.

Lesen Sie selbst – über Kommentare zu diesem Werk freue ich mich. Hasskommentare gegen die Autorin werden allerdings zensiert.

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Das Bauernopfer des Tages – Jérôme Kerviel


Im Januar 2008 meldete die französische Bank Société Générale, auch „Socc Gen“ genannt, einen Handelsverlust von fast 5 Milliarde Euro an, einen Verlust den sie einem einzelnen ihrer Händler in die Schuhe schiebt: Jérôme Kerviel
Seither ist sind beide Parteien im Dauerstreit vor Gericht. Kerviel beteuert, mit dem ausdrücklichen Segen seiner Vorgesetzen gezockt zu haben. Zock Gen, pardon, Socc Gen bestreitet dies und beharrt auf dessen alleinige Verantwortung. Heute, am 24 Oktober, bestätigte ein französisches Berufungsgericht seine alleinige Schuld. Er wurde zu 3 Jahren Haft und zur Zahlung von 4.9 Milliarden Euro verurteilt. Er wurde als waghalsiges, spielsüchtiges Computergenie dargestellt. Das mag alles stimmen – obsessives Verhalten ist notwendig, um in diesem Geschäft erfolgreich zu sein. Solange es gutgeht, werden Trader gefeiert. Geht es schief – und wie in jedem Roulettespiel kommt der Tag garantiert – werden sie gefeuert, bestenfalls. Die Hierarchie bleibt bestehen. Kracht die Bank, steht der Steuerzahler ja bereit. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Peugeot. Der Autohersteller muss für die staatliche Unterstützung Entscheidungsbefugnisse abgeben, oder anders gesagt: Das Unternehmen wird verstaatlicht, mit aller Konsequenz. Warum geht das nicht mit Banken?

Warum ist dieses Urteil für jeden relevant? Es geht jeden etwas an, weil Kerviel mit Derivaten zockte, jenen undurchsichtigen Finanzprodukten, die die heutige globale Depression hervorgerufen haben.Die meisten Derivate (meisten im Sinne des kumulierten Nominalwertes) sind undurchsichtig zum einen, weil ihre Ausstattung bewusst komplex ist, zum anderen weil sie an der Öffentlichkeit vorbei, unterm Ladentisch gehandelt werden. Das Zocken mit Derivaten ist die Ursache dafür, dass Sie, Leser, entweder im Müll nach Nahrung suchen müssen, falls sie in Spanien oder Griechenland leben, oder ihre Ersparnisse wegen Inflation schrumpfen, ihre Steuern bald steigen und Ihre Kinder das Wort Rente nur aus Erzählungen kennen werden, falls Sie in Deutschland leben.
Das Urteil geht auch Sie etwas an, weil mit diesem Bauernurteil verschleiert wird, dass die Architekten dieses Systems ungestört weiter an der globalen Umverteilung basteln können. Dabei ist es egal, ob es sich um eine „Verschwörung“ handelt, oder um simple wildgewordene Gier.

Lesetipp: Wer sich mehr für den Fall Socc Gen interessiert, dem empfehle ich das Buch von Jérôme Kerviel selbst,“L’engrenage – Mémoires d’un trader“ (Das Räderwerk – Erinnerungen eines Traders).

Der IWF stellt eine blasphemische Frage:


Was wäre wenn man alle Schulden mit einem Federstrich für null und nichtig erklären würde? Was wäre, wenn man den Banken das Privileg, Geld aus dem Nichts zu kreieren, einfach entziehen würde? Indem Banken nur einen Bruchteil des Geldes hinterlegen müssen, schaffen sie Geld. Würde die Zivilisation untergehen?
Diese Debatte war überfällig, nicht zum erstenmal in der Geschichte. Zuletzt (von prominenter Seite, nicht von Bloggern) wurde sie 1936  von Irving Fisher angeregt.
Der Ökonom befand folgendes: Aufgabe des Fiatsystems führt zu
1) der Eliminierung des wichtigsten Faktors in Konjunkturschwankungen
2) der Eliminerung von Bankenstürmen
3) einer dramatischen Reduzierung der öffentlichen Verschuldung
4) einer dramatischen Reduzierung der privaten Verschuldung

Diesmal wird sie im Namen des Internationalen Währungsfonds, unter der Feder von Michael Kumhof und Jaromir Benes geführt.
Hier ein PDF des Artikels. Die Forscher befanden, dass alle 4 Behauptungen  Fishers ihre Berechtigung haben. Dabei haben sie sich zurückhaltend ausgedrückt.

Wie Kommentator des konservativen britischen Blatts The Guardian in seinem Artikel „IMF’s epic plan to conjure away debt and dethrone bankers“ (Der epische Plan des IWF, Schulden wegzubeschwören und Banker vom Thron zu stürzen) es formuliert, sollte man dieser überfälligen Debatte, die einer Religionsdebatte verdächtig ähnlich ist, endlich ihren freien Lauf lassen.

Soziale Netzwerke, Suchmaschinen und Mobmentalität


Mobmentalität. Wenn immer Menschen die Möglichkeit haben, ihren Aktionsradius zu erhöhen und dabei unerkannt zu bleiben, gibt es genügend unter ihnen, die diese „Macht“ missbrauchen. Brave Bürger, sonst recht angepasst und zurückhaltend, mutieren mal zum Wüterich, den Stinkefinger erhebend und auf die Hupe drückend, sobald sie hinter den Schutzschild ihres besten Stücks, des Autos, kriechen.

Daher war es auch zu erwarten, dass die Kraft des Internets via Facebook auch das gemeine, hinterhältige und zerstörerische im Menschen potenzieren würde. Prominentestes Beispiel – ich wollte erst „jüngstes“ tippen, aber wer weiß das schon? – ist der Selbstmord einer kanadischen Schülerin, Selbstmord nach jahrelangem Mobbing über Facebook und in der realen Welt. Amanda Todd war gerade mal 15 Jahre alt, als sie beschloss, dass sie die jahrelangen Verfolgungen durch einen Pädophilen via Facebook nicht mehr aushalten konnte.
Ihre Geschichte erzählt sie selbst auf ihrem Youtube-Posting. Sie ist erschütternd.

Da polizeiliche Ermittlungen immernoch laufen, und bereits sehr viel über Mobbing geschrieben wurde, will ich nichts weiter dazu sagen. Es geht mir vielmehr um soziale Netzwerke und Suchmaschinen im Internet, die offenbar jede Schwarmtendenz verstärken und von ihr profitieren. Wenige Tage nach dem Tod des Mädchens kursierten Youtubes von selbsternannten Netzmilizen, die den Peiniger des Opfers identifiziert haben wollten.
Aus Neugier tippte ich den Namen „Amanda Todd“ ein. Die Autovervollständigung der Suchmaschine gab mir auch gleich den Namen eines Mannes, der im Visier der selbsterannten Rächer stand. Auf ähnlichem Wege war das Gerücht um die Präsidentengattin Bettina Wulff entstanden. Per Autovervollständigung werden Gerüchte über Menschen in die Welt gesetzt. Das Ergebnis nach einigen Stunden waren über 50 Morddrohungen für diesen Mann. Geschieht ihm recht, möchte man sagen, gerade wenn es um Kinder geht, wäre da nicht das Detail der Unschuld bis das Gegenteil bewiesen ist.Die Polizei musste eine Erklärung abgeben, dass der Mann derzeit
nicht unter Verdacht steht.

 

Halten wir also fest: Der Algorithmus einer Suchmaschine schafft Quasi-Nachrichten, zerstört den Ruf und die Sicherheit eines Menschen und greift der Ermittlungen der Polizei vorweg. Ein Individuum, irgendwo auf dem Globus mir Netzanschluss kann jahrelang ungehindert Kindern aufspüren und nachstellen, ohne dass die Netzwerke eingreifen. Es wird problematisch, wenn die Organe, die an ihrer Verbreitung verdienen, nicht einmal den gleichen Standards unterworfen werden wie die Springerpresse oder Murdoch. Bild kann man vor Gericht zerren, wenn sie Falsches über eine Person abdruckt. Die Suchmaschine kann sich hinter einem Algorithmus verstecken?  Netzwerke ziehen sich mit fadenscheinigen Bekenntnissen zur Freiheit aus der Verantwortung, Freiheit, die sie selbst nicht respektieren.
Oder glauben Sie im Ernst, dass die Daten, die treuseelig anvertrauen, nicht studiert und weiterverkauft werden, in irgendeiner Form?

Erst Afrika, nun auch Europa – der IWF ist bereit


Wie in meinem Artikel „Wenn die Finanzmafia vor unserer Tür steht“ hatte ich bereits dargelegt, dass die Hilfe des IWF eine „Wohltat“ darstellt, auf die man besser verzichten sollte. Insider John Perkins, der sich selbst als ehemaliges Mitglied der „Finanzmafia“ erklärte in seinem Buch  „Confessions of an Economic Hitman“, was „Darlehen“ für ein bankrottes Land wirklich bedeuten. Sie bereichern eine kleine Elite und verarmen die Allgemeinheit, und die Resourcen des Opferlandes, ob sie im Boden liegen oder in Form von billigen Arbeitern, stehen zur Plünderung frei. Irland hatte zugesagt, Island hat alle zum Teufel gejagt.

Nun muss sich Spanien entscheiden, ob sie es wie die Iren tun wollen, oder wie die Isländer. IWF-Chefin Lagarde sagt, der Währungsfond sei bereit, Spanien zu helfen.Sie könne sich vorstellen, die „Strukturreform“ zu überwachen, oder „eine Rolle bei der Finanzierung zu spielen.“ Wirtschaftsblogger Mike Shedlock, dem man weiß Gott nicht als Linken bezeichnen kann, übersetzt die Äußerungen der Retterin mit „IWF bereit, Spanien zu plündern“. Die Karikatur, die seinen Artikel ziert, sagt mehr als tausend Worte. Sie zeigt ein trojanisches Pferd mit der Aufschrift „To Ireland, With Love, Yours Truly, IMF.“

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Die Darlehen kommen den Banken, vorallem den deutschen, französischen und amerikanischen zugute. Anders als die Propaganda es immer hinausposaunt, wird es keinen „Trickle-Down-Effekt geben.“ Es handelt sich um eine spektakuläre Umverteilung, nicht mehr und nicht weniger. Menschen aus den Ländern mit dem unsäglichen Akronym PIIGS werden ihre Mahlzeiten aus dem Müll ziehen, damit einige wenige ihre Boni erhalten können.

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