wildezeiten

Über die neue Umverteilung

Im Zweifel, sag’s mit blondgelockten Kindern


Vertrag ist Vertrag. Viele sind der Meinung, Schulden müssen um jeden Preis zurückgezahlt werden, selbst um den Preis des Wachstums, sinnvoller Investitionen in die Zukunft, selbst um den Preis der Lebensgrundlage eines Landes. Manche Fachleute nennen es „The sanctity of contract law“ – die Unantastbarkeit von Verträgen. Argentinien beschritt einen anderen Weg. Das Land erzwang einen Haircut und ließ seine Währung abwerten. Manche Schuldner weigern sich bis heute, dies zu akzeptieren und versuchen, das Land erneut unter die Fuchtel des IMF zu zwingen – vergebens.

Der Große Preis.Vertreter dieser harten Linie, die man auch mit „zahle deine Schulden, bis du daran erstickst“ paraphrasieren könnte, sind beispielsweise der britische konservative Think Tank „Policy Exchange“. Diese Wirtschaftsweisen hatten einen Preis im Wert von 250,000 Britischer Pfund zur Lösung der Eurokrise im Falle eines Austritts Griechenlands ausgerufen. Besonders gerührt waren die Juroren von dem Lösungsvorschlag eines elfjährigen Jungen aus Holland, Jurre Hermans. Der blondgelockte Bub hatte die folgende Idee:

Jurre und die starken Männer
Alle Griechen sollen ihre Euros abgeben und gegen Drachma eintauschen. Die Euro werden dann restlos unter die Gläubiger verteilt. Nix Haircut! Alle sollen mitmachen! Natürlich werden die Griechen sauer sein. Werden sie beim Versuch, ihr Geld ins Ausland zu bringen, erwischt, müssen sie Strafe zahlen. Hier die Originalarbeit, die wohl auch die Meinung seiner Eltern wiedergibt:

Irgendwie sprach der Junge den Sponsoren aus dem Herzen, wie man hier in einer ihrer Publikationen „Sovereign Default: Lessons for Europe from Argentina’s default“ nachlesen kann. In diesem Werk wird Griechenland ausdrücklich davor gewarnt, den Weg Argentiniens einzuschlagen. Natürlich sind solche Papers schwer verdaulich, auch für Politker, daher die clevere Idee, den Beitrag des jungen Holländers medienwirksam hervorzuheben. Das ist wahrlich eine glänzende Idee! Hast du etwas unangenehmes zu sagen, sag es nicht mit Blumen, sondern mit Kindern!

Für diejenigen, die sich jetzt an die Kindeserie „Wickie und die starken Männer“ erinnert fühlen, ein kleiner nostalgischer Link:

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6 Gedanken zu „Im Zweifel, sag’s mit blondgelockten Kindern

  1. Diese blöden „Rechte“, mit denen auf YouTube immer mehr Videos blockiert werden sind eine Schande!
    Mit diesem Link kann das Video trotzdem auch in Deutschland gesehen werden:

    Ich hatte den Aufsatz des Jungen auch gut gefunden, weil ich natürlich davon ausging, dass die Griechen ohne Gegenleistung und in gleicher Höhe Drachmen für die den Banken in den Rachen geworfenen Euro bekommen, die Menschen also nichts verlieren, und auf diese Weise Griechenland die Hoheit über ihr Geld und die Geldmenge zurück erhält, sie also Geld ohne Schulden schöpfen – und so muss es auch sein, denn alles andere führt ja genau dahin, wo wir heute sind – und Griechenland ist ja keine Ausnahme, sondern nur der Anfang!

    Ob der Junge nicht selbst auf die Idee gekommen ist? Ich wage nicht, das zu beurteilen. Ich habe schon zu viele sehr kluge Gedanken von Kindern gehört – sie können geradeaus und unverdorben denken, weil sie noch nicht von der Gesellschaft und einer Ideologie (vollkommen) manipuliert sind.

  2. Könntest Du bitte meine Formatierung in Ordnung bringen und diesen Kommentar hier dann löschen? Nur „ohne Schulden“ sollte fett sein, habe wohl vergessen, zu schließen….
    Vielen Dank!

  3. Ich weiß nicht, ob ich Deine Formatierung ändern kann – brauche Anweisung 🙂 Mir geht es nicht darum, wie süß oder wie klug das Kind ist. Mir geht es darum, dass sich Erwachsene dahinter verstecken. Hier sollen alle Schulden bezahlt werden, bis zum bitteren Ende. Also, erst Euro abgeben und Schulden bezahlen, dann abwerten, nicht umgekehrt! Siehe Uhupardos Artikel über den Rentner, der sich erschossen hat. http://uhupardo.wordpress.com/2012/04/05/griechischer-rentner-erschiesst-sich-vor-dem-parlament-wegen-krise/

    • Ist ja nicht weltbewegend, dann bleibt es eben so… 🙂

      Mir geht es auch nicht darum, wie „süß“ ein Kind ist. Ich mag diesen Ausdruck im Zusammenhang mit Menschen überhaupt nicht. „Süß“ kann Marmelade sein, aber kein Mensch! Und das Aussehen eines Menschen oder in diesem Fall des Jungen ist in diesem Zusammenhang völlig unwichtig!

      Ich hatte den Text nur anders verstanden. Ich hatte verstanden, dass die Menschen ihre Euros in Drachmen tauschen (also gleichzeitig) und mit diesen, durch den Umtausch eingenommenen Euro, können sich die Banken einen Bunten machen…

      Ich kenne uhupardos Artikel und er wirft ein bezeichnendes Licht auf die Auswirkungen dieser Schuldensklaverei. Und als Nebenprodukt gibt’s noch ein bißchen Völkerhass. Der eignet sich hervorragend, um Krieg in Europa zu ermöglichen, statt die Ursachen für die Systemkrise zu beseitigen.

  4. Überhaupt ist Krieg ein bewährtes Mittel zur Ablenkung. Ich habe da ein ungutes Gefühl.

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