wildezeiten

Über die neue Umverteilung

Archiv für den Monat “April, 2012”

Money, Power & Wall Street


Der öffentlich-rechtliche amerikanische Sender PBS hat eine 4-teilige Serie über die Ursache und Entwicklung der weltweiten Finanzkrise gestartet. Hier der Link zum ca. einstündigen 1. Teil der Serie.

Der  Bericht seziert penibel klein, wie eine Idee, entwickelt von einer Gruppe von Jungbankern, weitergesponnen von gierigen Altbankern und ignoranten Möchtegern-Financiers, zur heutigen Katastrophe führte. Besonders viel Freude für deutsche Zuschauer bereitet der Film  in der 38. Minute, in der beschrieben wird, wie unsere deutschen Landesbanker gierig nach Finanzinstrumenten griffen, deren Implikationen sie nie begriffen haben. Auch Josef Ackermann kommt darin zu Wort. Ich warte noch auf ein Doku deutscher Herkunft, das über das Versagen in Deutschland berichtet.

Ob man denjenigen, die immernoch von „Too Big To Fail“ schwatzen, Gier, Bosheit oder Inkompetenz unterstellt, ist eigentlich egal.  Wichtiger ist: Können wir es uns noch leisten, auf sie zu hören? Dass die wenigsten Bundestagsabgeordnete wirklich beurteilen können, was der ESM (hier ein Artikel vom Uhupardo) bedeutet, ist ein Korollar dazu.

Gender Gap. Interessant finde ich nebenbei auch, dass unter den damals jungen Erfindern der Credit Default Swaps, sich nur die Frauen vor die Kamera von PBS gewagt haben, fast so, als hielten sie sich alleine verantwortlich für die Lawine, die eigentlich andere ausgelöst haben.

Für den geneigten Leser noch eine weitere Bettlektüre: Ein Versuch über die Rolle Von Goldman Sachs und der Deutschen Bank bei der Subprime Krise,  herunterzuladen bei der FT als PDF:

WALL STREET AND THE FINANCIAL CRISIS:
Anatomy of a Financial Collapse
PERMANENT SUBCOMMITTEE
ON INVESTIGATIONS
UNITED STATES SENATE

Und ich warte noch auf etwas vergleichbares von der EU oder der Bundesrepublik. Es ist wenig hilfreich das ohnehin vielgescholtene Amerika alleine für die Krise verantwortlich zu machen. Sie hat hat viele Väter und Mütter. Aufräumen können wir jedoch nur zuhause. In jeder Krise steckt auch eine Chance, eine Chance auf grundlegende Veränderung. Welcher Erdteil diese  Chance zuerst nutzen wird, ist noch offen. Ich würde gerne auf Europa wetten.

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Lehman Reloaded – warum sich nichts ändern wird


Es wird sich nichts an der Weltwirtschaftskrise ändern, solange niemand zur Rechenschaft gezogen wird, der es verdient. Beim „60 Minutes“ Beitrag des amerikanischen Senders CBS am letzten Sonntag wurde der Zusammenbruch von Lehman Brothers wieder aufgerollt. Sie erinnern sich noch, die unsägliche Bank, nach deren Zusammenbruch endlich zutage kam, dass Wall Street und ihre willigen kleinen Ableger in Europa  Schauplatz für Betrug und Umverteilung  ist. Umverteilung von unten nach oben, was sonst! Whistleblower innerhalb der Bank wurden gefeuert, Berichte über mutmaßlich betrügerische Bilanzierungspraktiken ignoriert. Hier äußerst sehenswerte 13 Minuten bei CBS:

Link

Man beachte, dass es vorallem junge Menschen sind, die sich bitter über das globale Hütchenspiel der Finanzwelt beklagen, allen voran die Occupy-Bewegung. Rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidatin Marine LePen hat dies in ihrer Wahlkampfstrategie klar umgesetzt, indem sie einige Banken sogar wiederholt beim Namen nannte. Ist es wirklich verwunderlich, dass sie gerade bei den 18 bis 24-jährigen den Zuspruch genießt? Ist es wirklich verwunderlich, dass Vampir-Thriller und The Hunger Games so populär sind?

Jeder Erwachsene, der in den letzte Jahren durch Nichtstun und Wegsehen geglänzt hat, hat zu der heutigen  Situation mit beigetragen. Wer nicht will, dass sich die 20ger und 30ger Jahre des letzten Jahrhunderts wiederholen, muss damit anfangen, Dinge klar beim Namen zu nennen. Wenn sich etablierte Parteien weigern, Betrug beim Namen zu nennen, überlassen sie das Feld den Radikalen.

Wahlkampf Frankreich: Kampagne für Gleichstellung homosexueller Paare


Was wäre wohl aus Marine LePen geworden, wenn Jean-Marie sie nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben hätte –  zur Adoption an ein schwules oder lesbisches Ehepaar? Möglicherweise keine Spitzenkanditatin des „Front National“, der französischen Nationalpartei für Phobien.

Die Organisation „SOS homophobie“ hat am 14. April, also kurz vor der ersten Runde der Präsidentschaftwahl eine Kampagne für das Adoptionsrecht Homosexueller Paare gestartet. Frankreich und Deutschland sind sich bisher zumindest in ihrer Furcht vor Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare einig, anders als im angeblichen Macholand Spanien, anders als in Kanada oder Großbritannien.

Ziel dieser Kampagne ist es, die Präsidentschaftskandidaten zum Nachdenken zu motivieren. Am 14 April erschienen mehrere ganzseitige Abbildungen schwuler und lesbischer Paare mit Baby, allerdings nicht irgendwelche Babys, sondern Baby-LePen, Baby-Sarkozy und Baby-Hollande . Auch sie hätten bei einem gleichgeschlechtlichen Paar aufwachsen können. Es ist interessant, dass gerade sozial Konservative so gerne auf Studien aufmerksam machen, die belegen, dass Famile immernoch die beste Versicherung gegen Verarmung ist.
Wie lange wollen zivilisierte Gesellschaften einige ihrer eigenen Kinder dazu zwingen, auf Familiengründung zu verzichten?

Hier einige der Plakate,  abgedruckt bei „Le Monde“, die mir heute zum ersten Mal beim Lesen ein Lächeln entlockt haben:

Marine als BabyFrançois als BabyNicolas als Baby

Unterschiedliche Perspektiven


Thema meines letzten Artikels war ein Interview des Finanzministers Schäuble bei CBS. Nachdem ich mich über den herablassenden Ton des Ministers vor amerikanischem Publikum ausgelassen habe, ein Tonfall, der Christoph Waltz in „Inglorious Basterds“ in den Schatten stellt, möchte ich nun kommentarlos auf die gesamte Reportage zum Thema Eurokrise verlinken.

Hier also eine amerikanische Sicht zur Eurokrise: „An Imperfect Union“
Außerdem eine  Reportage des griechischen Ökonoms Yanis Varoufakis, einer der von CBS befragten Experten. Nach Varouflakis‘ These wurden Schuldner und Spekulanten („Grasshüpfer“) zulasten von Sparern („Ameisen“) gefördert. Allerdings wehrt er sich vehement gegen diese Aufteilung auf nationaler Ebene. Es gibt nicht „den Deutschen“ oder „den Griechen“. Um dies zu illustrieren, nimmt er seine Kamera erst nach Athen, dann nach Frankfurt:

Und hier der Link zum Varoufakis Blog, mit Kommentar zum „60 Minutes“- Interview:

Schäuble bei CBS – wie man 60 Jahre Diplomatie in nur 2 Minuten zerstört


Die Sendung „60 Minutes“ des amerikanischen Senders CBS ist eine der beliebtesten politischen Sendungen in Nordamerika. Ein Interview auf dieser Plattform  ist für einen Repräsentanten eines europäischen Landes eine ziemlich gute Gelegenheit, einen fast unzensierten Eindruck auf die amerikanische (und kanadische) Öffentlichkeit zu hinterlassen. Ich sage bewusst „fast unzensiert“, weil allein die Auswahl des Abschnitts und die Übersetzung bereits ein Filter darstellen. Das Interview, das Schäuble am 4. April dem Journalisten Steve Kroft gab, war so erschreckend, dass ein Teil von mir hofft, es handelt sich um einen bösen Übersetzungsfehler. Der Finanzminister wurde aufgefordert, deutschfeindliche Ressentiments in Griechenland zu kommentieren, vielleicht ein wenig
Empathie für die Lebenssituation der Menschen zu zeigen, oder zumindest Befürchtungen hinsichtlich wiedererwachter deutscher Lebensraumphantsien zu entkräften. Hier ein Transskript des Interviews, wie es der Zuschauer zu sehen bekam:

Steve Kroft:There is a lot of bad feelings towards Germany, as I am sure you are aware. What is your reaction to this?

Wolfgang Schäuble: (grinst)  It is always like that, when you have countries or people who have been living beyond their means, now they have to apply some austerity, they have to make cuts, they have to reform their labour market. In such a situation, people tend to push the blame to others, they are looking for skape goats, its perfectly normal. But at the same time the Greek people know that their prosperity is thanks to being part of Europe

Steve Kroft:I am sure you have seen the cartoons, people talk of being under the German boot. They blame YOU, not just Germany, but in many cases YOU personally

Kichern

Wolfgang Schäuble: Of course, that’s part of politics. It’s part of my job as German finance minister to repeat over and over again that we cannot spend more than we have. But it doesnt mean that we wanna dominate anybody. Germany tried to do so in the past and it never works, but it no longer wants to do so today.

Hier der Link zu CBS:
http://www.cbsnews.com/video/watch/?id=7404310n&amp&amp&amp

Warum wohl finde ich die Äußerungen des Finanzministers kein bisschen beruhigend?
Mit fremden Augen gesehen ist die Antwort Schäubles einfach furchteinflößend. Nein, er sagt nicht, dass es furchtbar war, andere Länder zu überfallen und dass es dem modernen Deutschland nie einfallen würde, soetwas unmenschliches zu tun etc. Nein, es funktioniert so nicht mit den Großmachtsphantasien, deshalb, und nur deshalb lässt Deutschland heute davon ab. Bild und Ton, das herablassende Grinsen sowie der letzte Satz erinnern mich in erschreckender Weise an Christoph Waltz‘ großartige Performance in „Inglorious Basterds“.

Ich höre es jetzt schon in den Ohren klingeln “ Es ist mehr als 60 Jahre her, langsam muss auch mal gut sein ..“ etc. Mag sein, aber wenn schon die emotionale Intelligenz fehlt, sollten zumindest Exportzahlen Motivation sein, etwas mehr Empathie und Bescheidenheit zu zeigen. Wenn man jemanden bezahlen würde, Deutschland mies darzustellen und sämtliche Klischees zu bedienen, könnte man keinen besseren finden als Schäuble. Ich dachte, Kauder hätte den Vogel abgeschossen mit seinem „Europa spricht jetzt wieder deutsch“.

Bundesoberlehrer. Nein, es gehört nicht zu der Stellenbeschreibung eines Finanzministers, Zensuren zu verteilen und die eigenen Verfehlungen unter den Teppich zu kehren. Es gehört nicht zu seinen Pflichten, Griechen oder Spaniern imaginierte schwäbische Tugenden immerwieder unter die Nase zu reiben. Wenn es eine Botschaft gibt, die er gerne wiederholen kann, ist es:

„Bei der Gründung des Euro haben wir alle versagt. Wie holen wir gemeinsam die Kuh vom Eis?“

Günter Grass und die Kleingeister


Kriegstrommeln
Wie viele beobachte ich das Säbelrasseln zwischen dem Westen und dem Iran mit Sorge. Mir graut vor der Idee eines erneuten Präventivschlags gegen ein Land, eines Militärschlags mit vermeintlich chirurgischer Präzision, die verpricht, Zivilisten zu verschonen. Das ist alles schon mal dagewesen und hat sich als Fehler erwiesen, unter dem wir alle noch leiden werden. Ich bin also kein Freund der Idee des Erstschlags. Dennoch verabscheue ich das „Gedicht“ von Günter Grass, und ich halte ihn für einen Antisemiten, der Juden noch mal schnell eins auswischen will, bevor seine Tinte austrocknet. Was ist es, das mich so wurmt?

Hier eine kondensierte Form des Gedichts, für diejenigen, die mit Poesie nichts am Hut haben:
Die Israelis sind dabei, Verbrechen zu begehen, und Deutschen sind ihre Helfershelfer.Ich hab mich bislang nicht getraut, etwas zu sagen, weil ich dann des Antisemitismus’bezichtigt werde. Das halte ich für ungerecht, und das muss jetzt mal gesagt werden. Damit ich mich richtig traue, und dabei bei meinen Landsleuten noch gut aussehe, behaupte ich mal, dass Israel ja genauso verbrecherisch ist wie  Nazideutschland. Ich stinke, aber die stinken auch. Und weil ich ja nur helfen will, schlage ich mal internationale Kontrollen beider Länder vor. Das wird Israelis wie Palestinensern, und überhaupt allen Menschen dieser Welt helfen.

Was er nicht sagt:
Ob das mit der Kontrolle praktisch durchführbar  ist, das ist  mir egal, vermutlich bin ich eh schon tot, wenn es richtig losgeht. Bin ja schließlich nur ein Dichter.
Es ist möglich, dass Ahmadinedschad es nicht so ernst meint mit der Auslöschung Israels, aber ich bin mir nicht so sicher, und Gott sei dank muss ich ja nicht in Israel leben.

Was ich hier als Tabubruch inszeniere, ist im Grunde ein Heimspiel für mich. Alles verläuft nach Plan. Erst werde ich von den Medien gescholten. Dann aber kommt ein Aufschrei eines Teils der Bevölkerung, weil ich meine Finger in eine offene Wunde gelegt habe. Um die Heilung der Wunde geht es mir genausowenig wie um den Weltfrieden. Es geht mir nur darum, noch mal große Aufmerksamkeit zu erhalten, und um Revanche für die Kränkungen nach Veröffentlichung meiner Autobiographie. Hatte ich doch gehofft, Beifall für meine verspätete Offenbarung als Jungnazi zu erhalten. Stattdessen wurde ich als Heuchler verschrien. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen.

Über einen, der ein ganz großer Deutscher hätte werden können,
jedoch wegen Kleinkariertheit und Eitelkeit kläglich gescheitert ist. Gerade weil er als junger Mensch noch eine Uniform der Waffen SS trug, hätte er es wie kein anderer in Worte fassen können, wie ein Land, das sich versündigt hat, die Wandlung schafft zu einem modernen Deutschland, das für Recht, Freiheit und Frieden steht. Dazu hätte es natürlich der Ehrlichkeit und Bescheidenheit bedarft. Auch heute hätte er uns einen Weg zeigen können, wie man konstruktiv Kritik an einer Regierung Israels übt, die eben nicht antisemitisch ist. Hier eine Charakterisierung des Antisemitismus von Blogger André Freud, die ich sehr hilfreich finde.
Netanyahu ist ein Politiker, ein Falke. Es gibt Falken in den USA, in Europa und im Nahen Osten. Alle haben sie ein Interesse am Krieg. Wem ist es noch klar, dass islamische „Freiheitskämpfer“ im Grunde eine Kreation der Nazis waren, um Russland zu schwächen?Im Falle eines Krieges gewinnen nur dir Falken. Das ist es, was gesagt werden muss.

Die große nationale Wunde
die noch einige Generationen brennen wird, ist der Nationalsozialismus. Deutschland ist nie vollständig entnazifiziert worden, wie ich in einem anderen Artikel bereits versucht habe, darzulegen. Ohne emotionale Auseinandersetzung mit dem Thema begegnet man typischerweise nur zwei Grundhaltungen:
Entweder man distanziert sich von allem, wähnt sich als Weltbürger ohne geistige Wurzeln, oder man übt sich in partieller Amnäsie. Es ist schwer, stolz auf Goethe, Daimler Benz und die Nationalmannschaft zu sein, ohne sich gleichzeitig für Hitler und Opa in Wehrmachtsuniform zu schämen. Und es ist schwer, sich mehr als nur in abstrakter Weise mit dem Holocaust auseinanderzusetzen, wenn man den Opfern nicht täglich begegnen muss. Wenn man erst nach New York reisen muss, um wirklich zu begreifen, welchen Verlust unser Land sich selbst zugefügt hat. Wie ein Zwillingsbruder, den man erschlagen hat. Gerade weil die meisten das Erbe unserer jüngeren Geschichte nie verdaut haben, hat es Grass hierzulande so leicht, als Opfer einer Kampagne zu posieren. Er spricht vielen aus der Seele. Darin lag Kalkül, und ich finde es eine Gemeinheit.

Kleiner Denkanstoß für diejenigen, die noch an einer kontruktiven Kritik Israels basteln
Als ich zuerst darüber in einem Buch von Michael Moore las, war ich sehr erbost und beleidigt. Aber es hat mich zum Nachdenken gebracht. Also hier wäre vielleicht  der Keim zu einer Lösung des Nahostkonflikts:
Die Fläche Israels beträgt 20.770 Quadratkilometer. Das sind weniger als 30% Bayerns. Wie wäre es, wenn wir 30% Bayerns an Israel abtreten (ohne Zwang zum Eurobeitritt)?

Im Zweifel, sag’s mit blondgelockten Kindern


Vertrag ist Vertrag. Viele sind der Meinung, Schulden müssen um jeden Preis zurückgezahlt werden, selbst um den Preis des Wachstums, sinnvoller Investitionen in die Zukunft, selbst um den Preis der Lebensgrundlage eines Landes. Manche Fachleute nennen es „The sanctity of contract law“ – die Unantastbarkeit von Verträgen. Argentinien beschritt einen anderen Weg. Das Land erzwang einen Haircut und ließ seine Währung abwerten. Manche Schuldner weigern sich bis heute, dies zu akzeptieren und versuchen, das Land erneut unter die Fuchtel des IMF zu zwingen – vergebens.

Der Große Preis.Vertreter dieser harten Linie, die man auch mit „zahle deine Schulden, bis du daran erstickst“ paraphrasieren könnte, sind beispielsweise der britische konservative Think Tank „Policy Exchange“. Diese Wirtschaftsweisen hatten einen Preis im Wert von 250,000 Britischer Pfund zur Lösung der Eurokrise im Falle eines Austritts Griechenlands ausgerufen. Besonders gerührt waren die Juroren von dem Lösungsvorschlag eines elfjährigen Jungen aus Holland, Jurre Hermans. Der blondgelockte Bub hatte die folgende Idee:

Jurre und die starken Männer
Alle Griechen sollen ihre Euros abgeben und gegen Drachma eintauschen. Die Euro werden dann restlos unter die Gläubiger verteilt. Nix Haircut! Alle sollen mitmachen! Natürlich werden die Griechen sauer sein. Werden sie beim Versuch, ihr Geld ins Ausland zu bringen, erwischt, müssen sie Strafe zahlen. Hier die Originalarbeit, die wohl auch die Meinung seiner Eltern wiedergibt:

Irgendwie sprach der Junge den Sponsoren aus dem Herzen, wie man hier in einer ihrer Publikationen „Sovereign Default: Lessons for Europe from Argentina’s default“ nachlesen kann. In diesem Werk wird Griechenland ausdrücklich davor gewarnt, den Weg Argentiniens einzuschlagen. Natürlich sind solche Papers schwer verdaulich, auch für Politker, daher die clevere Idee, den Beitrag des jungen Holländers medienwirksam hervorzuheben. Das ist wahrlich eine glänzende Idee! Hast du etwas unangenehmes zu sagen, sag es nicht mit Blumen, sondern mit Kindern!

Für diejenigen, die sich jetzt an die Kindeserie „Wickie und die starken Männer“ erinnert fühlen, ein kleiner nostalgischer Link:

Gedanken über Billigimporte, Sklavenarbeit und den iPad


Was wäre fast so schlimm wie Spielzeug, das von Kindersklaven hergestellt wird? Wohl Spielzeug für Erwachsenen, wie der iPad, das von Studentsklaven hergestellt wird. Wieder einmal sorgen Untersuchungen der Arbeitsbedingungen bei Foxconn, dem bekanntesten Apple-Zulieferer, für böse Schlagzeilen. In diesem Blog wurde bereits in der Vergangenheit darauf aufmerksam gemacht. Nicht nur, dass Arbeiter des Elektronikherstellers Selbstmord begingen – als Gegenmaßnahme wurden immerhin Netze aufgestellt – nun ist Foxconn dem Vorwurf ausgesetzt, Schüler und Studenten zu Fabrikarbeit zu zwingen. Der Zwang, so lautet der Vorwurf, beruhe auf der Androhung, keine Zeugnisse auszustellen, sollten sich Studenten weigern, am „Praktikum“ teilzunehmen. Hier ein Artikel aus dem Spiegel, und ein Artikel aus The Guardian.

Manche mögen sagen „Na und, arme Leute schuften für wenig Geld. Deshalb nennt man sie arm“, wie Blogger Tim Worstall in seinem Artikel zu diesem Thema so treffend formulierte. “ Deshalb wünschen wir, dass sie mit der industriellen Revolution fortfahren, damit sie so reich werden, wie wir. “ Ich bin gespannt auf das Ergebnis, vorallem auf das „so reich wie wir“angesichts des Lohndumpings, das Europa erfasst. Ebenso  gespannt bin ich auf den nächsten Charles Dickens.

Heiße Ware. Angeblich werden die neuen iPads schnell zu heiß. Ich selbst habe kein iPad, nicht zuletzt weil ich den Hype um die völlig überteuerten Trendprodukte nicht verstehe. Aber selbstverständlich kaufe ich T-Shirts oder Elektronikprodukte aus China oder Taiwan.
Wenn ich sehe, wie schnell Nähte zerbröseln oder wie schnell Kabel ihren Dienst versagen, frage ich mich, wer der Gewinner dieser globalen Arbeiterarbitrage ist. Die Arbeiter offenbar nicht. Ich auch nicht, weil hier billig teuer wird. Meine Kaffeemaschine, zwei Jahre alt, sehr teuer, ist mir vorige Woche durchgeschmort und hätte mir fast die Wohnung in Brand gesetzt. Vermutlich war ein billige Komponente des Markenprodukts dafür verantwortlich. Meine neue Kaffeemaschine ist Made in Poland und braucht keinerlei Elekronik.
Zum Kontrast: Neulich, in einem Spielzeugkasten bei New Yorker Freunden, entdeckte ich Spielzeuge Made in Germany. Sie waren ungiftig, solide und wurden von fair bezahlten, erwachsenen Arbeitern hergestellt. Die Spielzeuge waren 40 Jahre alt und haben mehrere Generationen überstanden.

Was kaufen?Ich habe kein Verhaltensrezept anzubieten. Für mich persönlich ist die Herkunft und der Ruf des Herstellers mehr und mehr ein Kaufkriterium. Ich habe keine Lust auf Sklavenarbeit, egal auf welchem Erdteil, und ich fürchte mich vor explodierenden Kaffeemaschinen. Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Transparenz bei Herstellern, und dass Made in Europe wieder ein Kauffaktor wird.

Die globale Arbeitsteilung, wie sie von so manchen ersonnen und implementiert wird, sieht wohl so aus: Produktion durch moderne Sklaven in China und Taiwan, Freizeit und Unterhaltung für Superreiche in den „Peripherieländern“ Europas. Attraktivstes Beispiel ist das geplante Nutten- und Spielzentrum „Eurovegas“. Ein Artikel hierzu beim Uhupardo.

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