wildezeiten

Über die neue Umverteilung

Marktwirtschaft?


Kapitalismuskritik
Seit wann ist Empörung albern? Die westlichen Eliten fürchten sich vor Kapitalismuskritik und Globalisierungskritik. Sie ziehen Bewegungen wie Ocuppy oder die Indignados ins Lächerliche – wie etwa durch Aussagen von unserem zukünftigen Präsidenten-Sprachrohr der Elite, als er die Occupy-Bewegung als albern bezeichnete.

Welche Marktwirtschaft?
Aber viel gefährlicher für die Elite ist die Kritik an der Art, wie sie ihr eigenes System heruntergewirtschaftet haben. Um es mal klar auszusprechen:
Wir haben keine Marktwirtschaft. Wir haben keinen Rechtsstaat – in keinem der westlichen Länder. In einer Marktwirtschaft gelten gleiche Regeln für alle. Wenn ich anvertrautes Geld veruntreue, droht mir Strafe, sofern ich nicht MF Global heiße. Als MF Global, einem Broker für Terminkontrakte auf landwirtschaftliche Rohstoffe, ist es mir jedoch erlaubt, Kundengelder zu veruntreuen und kurz vor dem Bankrott verschwinden zu lassen. Als Goldman Sachs ist es mir erlaubt, wie ein koksnasiger Zocker Milliarden zu verspielen und die Weltkonjunktur in den Abgrund zu reißen. Es droht weder Bankrott für die Banken noch Gefängnis für ihre überbezahlten Verwalter. Damit ist das Gewinn-Riskoprofil zugunsten der Gewinnerwartung verschoben. Für einen Psychopathen in Nadelstreifen ist es durchaus rational, Kredite in Milliardenhöhe an finanziell minderbemittelte zu verteilen, weil es von Anfang an klar ist, dass unter der Prämisse ‚ Too Big To Fail ‚ das Risko auf den dummen Steuerzahler abgeladen wird.

Welches System?
Jedes System ist so gut wie die Menschen, die es steuern. Egal, ob wir unser zukünftiges System Kommunismus, Kapitalismus oder wie auch immer nennen, die Resultate werden immer die gleichen sein, wenn wir es versäumen, psychopathisches Verhalten zu bestrafen. Psychopathen gedeihen in jedem System, weil sie einen Sinn dafüt haben, wie sie es zu ihren Gunsten und zu Lasten der Allgemeinheit verbiegen können. Die größte Bedrohung für diejenigen, die die Occupy-Bewegung als albern kleinreden, wäre, wenn sie gezwungen wären, nach den gleichen Regeln zu leben, wie Jedermann.

Wo ist das Geld verschwunden?
Wollen wie das Steuer herumreißen, müssen zuerst einige Köpfe rollen – nicht wirklich, wie zu Robbespierres Zeiten, sondern bildlich gesprochen. Manager, Aufsichtsratsmitglieder, Politiker müssen sich verantworten. Solange die Jon Corzines dieser Welt frei heraumlaufen können, brauche wir über Sinn und Unsinn der Marktwirtschaft nicht nachzudenken. Rechtsstaatlichkeit kommt vor jeder anderen Überlegung. Gleiches Recht für alle – das ist die wahre Revolution, vor der sich gewisse Leute fürchten müssen. Um genau dies zu verhindern, ist ihnen jedes Mittel recht – auch Krieg.

Nachtrag
Hier ein Link zu einem Blog, auf den ich soeben gestoßen bin. Es geht um die Operation Euribor. Der Euribor ist der eupäische Referenzzinssatz. Was geht der uns an? Nun,er ist Referenzzinssatz für Darlehen, und spielt eine entscheidende Rolle in der Bewertung aller Derivate in Euro. Sollte es sich bestätigen, dass Banken in gegenseitiger Absprache die Zinssätze manipuliert haben, dann hätten wir unseren eigenen Finanzskandal. Jeder Versuch, einen Betrug dieses Ausmaßes aufzudecken ist weiterer David-gegen-Goliath-Moment.
Mein Kommentar zu den Leuten, die innerhalb des Rechtssystems versuchen, Transparenz zu erzwingen: Bravo ud Danke!

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6 Gedanken zu „Marktwirtschaft?

  1. Ratking-Agentur sagte am :

    ….aber die Marktwirtschaft garantiert uns doch die Freiheit?! Hier ist der Beweis:

  2. 🙂 🙂 Danke für den Link! Das bringt es auf den Punkt!

  3. Oh, das Lied hatte ich vor Monaten mal gehört und leider wieder vergessen, also Danke für die Erinnerung. Ja, so kurz und gut auf den Punkt gebracht ist eine Kunst.
    Wenn ich die letzten Monate Revue passieren lassen, so muss ich feststellen, dass die Aufdeckung der Machenschaften der Herrschenden exponentiell Fahrt aufnimmt. Es ist wie das berühmte Aufnehmen der Teppichecke. Je höher man aufnimmt, desto mehr Dreck ist zu erkenne.
    Nur gut, dass es das Internet gibt, es hilft dabei, unser Weltbild gerade zu rücken und hoffentlich noch schnell genug zum Wandel zu kommen, bevor wir unseren Planeten endgültig vernichten. Das mit dem Bewusstwerden ist aber auch noch so eine Sache mit zwei blinden Flecken:
    http://faszinationmensch.wordpress.com/2012/02/27/wie-fuhlt-es-sich-an-eine-fledermaus-zu-sein/
    LG Martin

  4. Ja und nein, Don Furioso.

    Ja, wir haben keine Marktwirtschaft. Wir haben nicht einmal eine Justiz, die in der Summe für Gerechtigkeit sorgt, wenn mir (wieder einmal) eine Verleumdungsklage umgehängt wird, weil ich Korruption veröffentlicht hatte, und der Streitwert bewusst auf 4 Mio. angesetzt wird, damit ich nicht einmal den Anwalt bezahlen kann.

    Also ja.

    Aber auch nein. Es wird nichts nützen, wenn NUR Köpfe rollen (die unbedingt rollen müssen!), solange wir nicht auch und gleichzeitig bei uns selbst anfangen. Es wird nichts nützen, wenn das Volk der Steuerhinterzieher die nächste Medien-Sau durchs Dorf treibt, die 2 Mio. hinterzogen hat. Es wird nichts nützen, wenn wir monatelang allüberall über Priester herziehen, die kleine Jungs anfassen, solange wir nicht gleichzeitig genau hinschauen, was in den Familien passiert und Stellung beziehen.

    Es braucht unbedingt beides und gleichzeitig: Die Klage über die von Ihnen beschriebenen Strukturen, die es zu beseitigen gilt – und die dringende Besinnung auf eigene Werte, die sich nur in der Quantität anders auswwirken mögen, nicht aber in der Qualität.

    Deswegen, weil alles mit allem zusammen hängt, darf auch niemand den anderen seinen Protest abtreten. Weder aus Bequemlichkeit noch aus Schwäche. Niemand demonstriert für mich, ich muss es selbst tun. Niemand protestiert für mich, ich muss es selbst tun.

    Egal, wo man lebt. Jeder hat die Aufgabe und die Verantwortung, seine direkte Umgebung im richtigen Sinne verändern zu helfen. Wer es nicht tut und es bei den Stammttischklagen belässt, hat jedes Beschwerderecht schon eingebüsst.

  5. Köpfe rollen lassen ist nur der zweite Schritt, in der Tat. Der erste fängt bei einem selbst an. Was esse ich, was kaufe ich (siehe meinen Artikel über Apple: https://wildezeiten.wordpress.com/?s=islave ), wen wähle ich, wie engagiere ich mich. Noch wichtiger: Wie engagiere ich mich effektiv, so dass ich nicht mit einem Sack über dem Kopf in einem Gefängnis lande und nichts weiter tun kann, was in manchen Ländern Realität ist. Und es ist gerade das Wegsehen in der eigenen Umgebung, das so vieles erst ermöglicht, wie Sie richtig hervorheben. Danke!

    Dann kann man über neue Strukturen diskutieren, wie z.B. das Bandbreitenmodell ( http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/06/serie-der-tag-nach-dem-crash-teil-1-das-bandbreitenmodell/). Aber: Selbst das beste System artet aus wenn den Profiteuren keinen Einhalt gebietet. Das ist wie mit Unkraut; wenn man nicht regelmäßig jätet, nimmt es überhand.

    Viele Menschen fürchten sich vor der Kritik an festen Strukturen, weil sie Veränderungen und Chaos fürchten. Um mit diesen in Dialog zu treten, fange ich am besten damit an, die Korruption ihres Systems zu diskutieren: Ihr wollt Marktwirtschaft? Newsflash: Wir haben keine Marktwirtschaft!!

  6. So (und insbesondere mit der Intention des letzten Absatzes) unterschreibe ich das sofort und vollinhaltlich.

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