wildezeiten

Über die neue Umverteilung

Archiv für den Monat “Februar, 2012”

Marktwirtschaft?


Kapitalismuskritik
Seit wann ist Empörung albern? Die westlichen Eliten fürchten sich vor Kapitalismuskritik und Globalisierungskritik. Sie ziehen Bewegungen wie Ocuppy oder die Indignados ins Lächerliche – wie etwa durch Aussagen von unserem zukünftigen Präsidenten-Sprachrohr der Elite, als er die Occupy-Bewegung als albern bezeichnete.

Welche Marktwirtschaft?
Aber viel gefährlicher für die Elite ist die Kritik an der Art, wie sie ihr eigenes System heruntergewirtschaftet haben. Um es mal klar auszusprechen:
Wir haben keine Marktwirtschaft. Wir haben keinen Rechtsstaat – in keinem der westlichen Länder. In einer Marktwirtschaft gelten gleiche Regeln für alle. Wenn ich anvertrautes Geld veruntreue, droht mir Strafe, sofern ich nicht MF Global heiße. Als MF Global, einem Broker für Terminkontrakte auf landwirtschaftliche Rohstoffe, ist es mir jedoch erlaubt, Kundengelder zu veruntreuen und kurz vor dem Bankrott verschwinden zu lassen. Als Goldman Sachs ist es mir erlaubt, wie ein koksnasiger Zocker Milliarden zu verspielen und die Weltkonjunktur in den Abgrund zu reißen. Es droht weder Bankrott für die Banken noch Gefängnis für ihre überbezahlten Verwalter. Damit ist das Gewinn-Riskoprofil zugunsten der Gewinnerwartung verschoben. Für einen Psychopathen in Nadelstreifen ist es durchaus rational, Kredite in Milliardenhöhe an finanziell minderbemittelte zu verteilen, weil es von Anfang an klar ist, dass unter der Prämisse ‚ Too Big To Fail ‚ das Risko auf den dummen Steuerzahler abgeladen wird.

Welches System?
Jedes System ist so gut wie die Menschen, die es steuern. Egal, ob wir unser zukünftiges System Kommunismus, Kapitalismus oder wie auch immer nennen, die Resultate werden immer die gleichen sein, wenn wir es versäumen, psychopathisches Verhalten zu bestrafen. Psychopathen gedeihen in jedem System, weil sie einen Sinn dafüt haben, wie sie es zu ihren Gunsten und zu Lasten der Allgemeinheit verbiegen können. Die größte Bedrohung für diejenigen, die die Occupy-Bewegung als albern kleinreden, wäre, wenn sie gezwungen wären, nach den gleichen Regeln zu leben, wie Jedermann.

Wo ist das Geld verschwunden?
Wollen wie das Steuer herumreißen, müssen zuerst einige Köpfe rollen – nicht wirklich, wie zu Robbespierres Zeiten, sondern bildlich gesprochen. Manager, Aufsichtsratsmitglieder, Politiker müssen sich verantworten. Solange die Jon Corzines dieser Welt frei heraumlaufen können, brauche wir über Sinn und Unsinn der Marktwirtschaft nicht nachzudenken. Rechtsstaatlichkeit kommt vor jeder anderen Überlegung. Gleiches Recht für alle – das ist die wahre Revolution, vor der sich gewisse Leute fürchten müssen. Um genau dies zu verhindern, ist ihnen jedes Mittel recht – auch Krieg.

Nachtrag
Hier ein Link zu einem Blog, auf den ich soeben gestoßen bin. Es geht um die Operation Euribor. Der Euribor ist der eupäische Referenzzinssatz. Was geht der uns an? Nun,er ist Referenzzinssatz für Darlehen, und spielt eine entscheidende Rolle in der Bewertung aller Derivate in Euro. Sollte es sich bestätigen, dass Banken in gegenseitiger Absprache die Zinssätze manipuliert haben, dann hätten wir unseren eigenen Finanzskandal. Jeder Versuch, einen Betrug dieses Ausmaßes aufzudecken ist weiterer David-gegen-Goliath-Moment.
Mein Kommentar zu den Leuten, die innerhalb des Rechtssystems versuchen, Transparenz zu erzwingen: Bravo ud Danke!

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Punk Economics: Schuldendrama unterhaltsam erklärt


Teil1:

Teil 2

Springsteen „The Boss“ – Kampfschrei gegen Verarmung und Wirtschaftskrise


Er ist 62 Jahre alt, und kein bisschen weise: Altrocker Bruce Springsteen hat ein neues Album. Mit „Wrecking Ball“, auf deutsch “Abrissbirne,“ eine Art Kampfruf gegen die Wirtschaftskrise und ihre Profiteure/Urheber.

Hier ein Ausschnitt aus dem Song „Jack Of All Trades“:

The banker man grows fatter
The working man grows thin
It’s all happened before and it’ll happen again
It’ll happen again
They’ll bet your life
I’m a Jack of all trades
We’ll be alright

Oder aus dem Titelsong  „Wrecking Ball“:
I was raised out of steel here in the swamps of Jersey, some misty years ago
Through the mud and the beer, and the blood and the cheers, I’ve seen champions come and go
So if you got the guts mister, yeah if you’ve got the balls
If you think it’s your time, then step to the line, and bring on your wrecking ball

 

 

 

 

Das Album wird am 6. März herausgegeben, aber man kann diese Woche schon mal im Netz hineinhorchen, beispielsweise im „Globe And Mail“ oder „The Guardian

Springsteen-Fan oder nicht, der Mann hat Cojones. Man kann ihm nur nur ein langes Leben Wünschen – nicht immer garantiert bei Menschen, die Systemkritik üben.

Don Furioso

Wenn die Finanzmafia vor unserer Tür steht


John Perkins, Autor des Bestsellers „Bekenntnisse eines Economic Hit Man: Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia“, erklärt die wahren Ursachen der Schuldenkrise in Griechenland. Als Chefökonom einer Beratungsfirma beriet John Perkins die Weltbank, den IMF, die UN, und viele Länder in Afrika, Lateinamerika und im Nahen Osten. In einem Interview fasst er die Vorgehensweise der multinationalen Finanzhaie so zusammen:
Die Finanzmafia  identifizieren ein armes Land mit Resourcen, überschüttet es mit Darlehen – indem sie die Elite bestechen – lassen internationale Großkonzerne, die an diesem Betrug beteiligt sind, an dem großen Trog fressen. Sie nennt es zwar Infrastrukturprojekte, aber diese Projekte kommen nur einer reichen Minderheit dieses Landes, und  der Finanzmafia zugute. Den Schuldenberg allerdings muss die Allgemeinheit – Ich, Du, unsere verarmten Leidgenossen-  tragen.
Natürlich hat die Allgemeinheit keine Chance, die Schulden je zurückzuzahlen. Genau das ist die Idee! Dann lässt die Mafia ihre Maske fallen und stellt ihre Forderungen. Sie macht ein Angebot, das niemand abschlagen kann.
Sie verlangt  billiges Öl, vielleicht einen Militärstützpunkt, massive Privatisierung, Reduzierung von Einfuhrzöllen, Deregulierung – die Armada der typischen IMF-Forderungen wie sie nun jedem bekannt sind. Das ist seit Jahrzehnten gängige Praxis. Heute trifft sie Europa. Hier geht es nicht um Öl, nicht mal um Olivenöl, sondern darum, Europa gefügig zu machen.

Der Kaufmann von Venedig
Wir sind dabei, wie der Kaufmann von Venedig, ein Pfund unseres Fleisches zu vergeben. Wir haben Jahrzehnte zugesehen, wie ander Länder dieser Praxis zum Opfer gefallen sind – teils haben wir auch davon profitiert. Es ist halt geil, protzige, spritfressende Autos zu fahren. Nun stehen die Hitmen vor unserer Haustür. Wie werden wir reagieren?

Hier das Interview auf Youtube:

Entnazifizierung


Dresden
Alljährlich, zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens, findet eine Demo der Neonazis statt. Eine Blamage für Deutschland.Gleichzeitig findet eine Gegendemo statt – auch Parlamentarier sind unter den Gegendemonstranten, um ihre Abscheu der Faschisten zu bekunden. Zum Glück gibt es rechtschaffene Landsleute, denen Demokratie und Anstand wichtiger ist als die Gemütlichkeit ihres Sofas. Werden diese Demokraten als Helden gefeiert? Nein! Sie bekommen Gerichtsverfahren wegen „Sprengung einer Versammlung“ an  den Hals —  hier ein Artikel
von Jacob Jung..

Verwundert möchte man sich die Augen reiben.
Dachten wir doch, wenn es einen Grundkonsens in der Bundesrepublik gibt, dann der, dass Faschsimus in unserem Land nichts zu suchen hat. Offenbar irrten wir. Irgendetwas haben wir übersehen.

Entnazifizierung
Das, was wir diskret mit „Vergangenheitsbewältigung“ betiteln, wurde nicht von allen Teilen der Bevölkerung im gleichem Maße mitgetragen. Vergangenheitsbewältigung ist eine komplizierte, langwierigen Sache. Sie erfordert Mitgefühl (für alle Beteiligten), Geduld und Introspektion. Mit Schecks ist es nicht getan. Mit der Lektüre von Geschichtsbüchern auch nicht. Mit einer Betroffenheitszeremonie im Bundestag ebenfalls nicht. Wenn ein großer Teil eines Volkes von einem anderen traumatisiert wurde, dauert es mehrere Generationen, bis die Wunden verheilen -auf beiden Seiten. Den Nachkommen der  „Tätergeneration“ wird wegen eines Verbrechens mit Misstrauen begegnet, wegen eines Verbrechens, das sie selbst nie begangen haben. Im Falle Deutschlands durften diejenigen, die die Wehrmachtsuniform getragen haben und das Glück hatten, nach Hause zurückzukehren, ohne materielle Sorgen altern. Die Zuhausegebliebenen, die von spontaner Blindheit getroffen wurden, als ihre Nachbarn abtransportiert wurden, mussten sich auch nie einer Verantwortung stellen. Ihre Nachkommen sind in materieller Üppigkeit aufgewachsen, ohne je den Nachkommen der Opfer ins Auge zu sehen. Das ist ein Nachteil, kein Segen.

Leben Seite an Seite
In Amerika leben Nachkommen von Sklaven und Sklavenhaltern Seite an Seite. In Ruanda leben Hutus und Tootsies nebeneinander. Die Nachkriegsgenerationen in Westdeutschland wurde von den Allierten bewusst verhätschelt, weil sie ein Bollwerk gegen die Sowjetunion erschaffen wollten. So wurde eine gründliche, nachhaltige Entnazifizierung der Logik des Kalten Krieges geopfert. Die Bevölkerung durfte sich der kollektiven Opferpose hingeben. Alle waren bloß Opfer des Hitlerregimes und haben nichts gewusst.Die Täter sind and ihren Hörnern und Bocksfüßen zu erkennen. Wir sind das Land der Ingenieure, Dichter und Denker. Alles klar.

Persilscheine
Die Alliierten standen nach dem Krieg vor einem Dilemma. Sie wollten eine rudimentäre Versorgung (vorallem medizinische) und Verwaltung der Zivilisten sicherstellen. Das wäre unmöglich gewesen, wenn sie darauf bestanden hätten, dass jeder, der zum Holocaust beigetragen hat, zur Rechenschaft gezogen wird. So wurden die berühmten „Persilscheine“ großzügig verteilt.

Der Preis dafür ist eine bis heute unvollständige Aufklärung der Nachkriegsgenerationen. Bis auf wenige, wiegen sich die meisten Deutschen in Illusionen. Sie glauben, dass die bösen Nazis einer kleinen Minderheit angehörten, die nach dem Krieg auf mysteriöse Weise verschwand und keinen Einfluss auf die Politik, Wirtschaft den Alltag unseres Landes haben. Sie glauben, dass sie meisten Erwachsenen nicht die leiseste Ahnung von Konzentrationslagern hatten. Alles arme irregeleitete Unschuldslämmer.
Die Greueltaten an Millionen von Zivilisten sind von einigen wenigen verrichtet worden – die treuen Wehrmachtssoldaten haben nichts davon gewusst. Wirklich? Rein rechnerisch -wie ist soetwas möglich? Wären wir nicht so emotional in der Beantworting dieser simplen Frage involviert, hätten wir keine Denkbehinderung. Die Antwort ist simpel:

Opa auf der Akropolis
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Großvater oder Urgroßvater beim Russlandfeldzug, Griechenlandfeldzug, Norwegenfeldzug – die Liste ist leider lang – von Greueltaten nichts mitbekommen hat, scheint verschwindend gering. Diese kollektiv verordnete Amnäsie zieht sich durch alle Institutionen. Richtig weh tut es, wenn Archive, die der nachträglichen Aufarbeitung dienen, verschwinden oder „umstrittene Ärzte“  für „besondere Verdienste“ geehrt werden.

Deutsche Soldaten hissen die Hakenkreuzflagge

Quelle: Bundesarchiv

Fragen wir uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass jemand, der während des Nationalsozialismus eine verantwortliche Position hatte, sein Handeln je freiwillig überprüfte und sich in der jungen Bundesrepublik  effektiv für „Recht und Freiheit“ einsetzte? Angesichts dessen, dass die meisten Nazis mit Persilscheinen zum Mitwirken in der jungen Republik weiterempfohlen wurden, ist es denn wirklich verwunderlich, wenn heute noch ganze Staatsorgane auf dem rechten Auge blind sind?

Warum es relevant ist
Selbst, wenn sich Deutschland vom Rest der Welt abschotten könnte, wäre geschichtliche Vergangenheit relevant, aus dem einfachen Grund, dass sich jede Generation prinzipiell mit den überlieferten Werten auseinandersetzen muss. Wenn es wahr ist, dass die meisten Erwachsenen im Dritten Reich Nazis waren, dann ist es auch wahr, dass uns Nazis und die Kinder von Nazis erzogen haben.
Man kann davon ausgehen, dass viele private Familiengeschichte auf Lügen basieren. Was für die Quandts gilt, gilt auch für Jedermann. Und es ist schmerzhaft. Wenn es wahr ist, dass Teile der Naziverwaltung unter neuer Flagge ihre Arbeit fortsetzen durften, dann müssen auch unsere heutigen Institutionen kritisch untersucht werden.
Nun ist Deutschland keine Insel. Deutschland hat in der Griechenlandkrise ein hohes Gewicht –  sogar ein Übergewicht. Was auch immer unsere Volksvertreter tun oder verkünden, es wird nunmal auch an der Vergangenheit gemessen. Nur an Zahlen und Bilanzen zu denken ist einfach dumm. Verträge werden zwischen Menschen abgeschlossen. Es ist völlig verständlich, dass sich Griechen an die Belagerung ihres Landes durch die Faschisten erinnert fühlen – es ist nunmal ein Trauma. Um es klar zu sagen: Schlagzeilen wie in der rechten griechischen Zeitung „Demokratia“ sind in der Tat geschmacklos, wie es der Blogger in diesem Link richtig bezeichnet hat. Hier wird ein Volk gegen ein anderes aufgehetzt, um von den eigentlichen Urhebern der Schuldenkrise abzulenken.

Des Traumas, dass dahintersteckt, sollte man sich allerdings bewusst sein, und notfalls bei Wikipedia über die griechische Hungersnot infolge der Besetzung durch die Wehrmacht nachlesen. Hier ein link bei Wikipedia – englisch, meiner Meinung nach besser als auf
Wikipedia deutsch .Spätestens dann sollte jedem, der über einen EQ größer als Null verfügt, Sprüche von der Sorte Kauders („Europa spricht jetzt deutsch“) im Halse stecken bleiben.

Braune Mentalität
Nazidenken äußert sich nicht nur im Schmieren von Hakenkreuzen. Es ist eine Haltung, die sich, mal laut, mal subtil, durch alle Lebensbereiche zieht. Grundlage ist der unerschütterliche Glaube an Herrenmenschen und Untermenschen, an prinzipielle Adersartigkeit. Hier die disziplinierten Deutschen mit ihren strengen Defizitregeln, dort die faulen Südländer mit ihrer mangelnden Professionalität und ihrem Hang zur Verschwendung.

 Die Gnade der späten Geburt Da stehen sie nun, die deutschen Nachkriegsgenerationen, konfrontiert mit einem Erbe, auf das die meisten gerne verzichten würden. Ob es eine Gnade ist, weil die meistenTäter längst ausgestorben sind, oder ein Fluch, hängt von unserer Einstellung ab. Es ist ein Fluch, wenn wir uns der Herausforderung verweigern, eine Gnade, wenn wir uns ihr stellen. Um es klar zu sagen: Jede Demokratie hat auch mit antidemokratischen Elementen zu kämpfen. Hassschürer mit Glatze und Springerstiefel, oder in Kaschmir und gepflegter Wortwahl gibt es in jedem Land. Nur in unserem kollektiven Bewusstsein ist die Gefahr mehr als nur abstrakt. Wir wissen, dass das Böse ganz harmlos und liebenswert daherkommen kann. Opa und Oma trugen keine Hörner und Bocksfüße. Dieses Bewusstsein schärft den Blick.

Antibiotika gegen das Nazibazillus
Wie also rottet man das Nazibazillus aus? Zunächst einmal fängt man bei sich selbst an. Fragen wir uns, wo wir noch in Kategorien „wir gegen euch“ denken. Hinterfragen wir unsere eigene Familienmythologie! Hinterfragen unsere Volksvertreter, unsere Verwaltung und unsere Wirtschaftselite! Warum darf Herr Kauder ungehemmt schwadronieren, dass Europa demnächst deutsch spricht, ohne dass seine Parteikollegen ihm verschämt den Rücken kehren?

Unverkrampft Nur wenn wir unverkrampft unser (Familien~)Geschichte untersuchen, können wir klare Entscheidungen treffen. Nur mit klarer Identität können wir den Mittelweg zwischen Besserwissertum und Schuldkomplex finden. Beispiel Griechenland: Nur mit einer klaren Identität sind wir in der Lage, relevante Fragen zu stellen.

Wem kommen die Milliarden sog. Griechenlandhilfe wirklich zugute? Dem verarmten Griechen auf der Straße oder den Gläubigern?
Wie ist dieses Land in die Situation geraten? Haben auch korrupte Funktionäre in der EU und Investmentbanken ihren Anteil?
Wieviel Solidarität wollen wir den Bürgern Griechenlands schenken?

iSlave


Beim Design des iPad stimmt alles bis aufs i-Tüpfelchen. Es ist hübsch, hipp und ergonomisch. Wenn da nur nicht diese unappetitlichen Details wären wie etwa die menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen diese kleinen Wunder der Technik hergestellt wurden. Das nächste Mal, dass Ihre Hände über das glatte Touchscreen fahren, denken Sie ein Weilchen an die zarten, kleine Hände des anonymen 13-jährigen Fabrikarbeiters, der es exclusiv für Sie zusammenhestellt hat, vielleicht während einer 30-Stunden-Schicht. Vielleicht hat der kleine Fabrikarbeiter, nennen wir ihn doch Dobby, das Stück mit einer giftigen Chemikalie gesäubert.

Sweatshop Foxconn.Die Praktiken des Elektronikzulieferers Foxconn sind jedem bekannt, der hinsehen will. Erstmals wurden ein Artikel über den Fabrikanten des iPad in der NY-Times veröffentlicht.  Apple liefert das Design, das Marketing, die Distribution über ihre schicken Läden und kassiert dafür einen satten Aufpreis. In den Chefetagen von Apple wird mit sich gerungen, der CEO ist sichtlich besorgt über die negativen Schlagzeilen, die Selbstmorde, Arbeitsunfälle und Kinderarbeit bringen.

Wie gut, dass Apple die richtigen Prioritäten hat. Mit der Abschaffung von Sklaverei hat man’s nicht so eilig. Viel wichtiger ist es, das zeigen von nackter Haut zu unterbinden. Auf der  Titelseite des spanischen Magazins „Muy Interesante“ ragt ein nackter Mann, als Hingucker für die Titelgeschichte über des Mannes bestes Stück. Dank der Sittenbrigade von Apple wurde die Verbreitung der Ausgabe per iPad jedoch unterbunden, wie hier im Focus zu lesen.
Apple braucht Ihre Hilfe: Wenn sie sich weigern, Apple zu kaufen, hat Apple-Chef Tim Cook endlich einen Grund, ethisch zu handeln. Wer weiß – vielleicht findet er dann einen Zulieferer in Europa. Die Sache ist unglaublich einfach: Wenn wir Sklaverei in anderen Ländern unterstützen, kommt die Sklaverei irgendwann zu uns.

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